Bamberg – Die Polizei hat den Häuserblock abgesperrt. Er gehört zu der riesigen Bamberger Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Experten der Spurensicherung in ihren weißen Ganzkörperanzügen sind im Haus unterwegs, durch ein Fenster sieht man Scheinwerfer, die die Wohnung ausleuchten, in der es gebrannt hat. Ein Mensch ist dabei ums Leben gekommen. Ob Mann oder Frau, ob jung oder alt – die Polizei kann zunächst nichts zur Identität des Brandopfers sagen.
Kurz nach 3 Uhr am frühen Morgen geht der Notruf bei den Rettungskräften ein. Die Feuerwehr hat den Brand in der Erdgeschosswohnung schnell unter Kontrolle. Aber es gibt eine heftige Rauchententwicklung in dem Gebäude. Fünf Bewohner überleben wohl nur, weil sie von der Feuerwehr über Leitern gerettet werden. Doch eine Person stirbt. 15 Menschen erleiden eine Rauchvergiftung, sieben von ihnen müssen ins Krankenhaus, darunter zwei Kinder. Wie es zu dem Feuer kam, das wohl in dem Zimmer der toten Person ausbrach, ist unklar. Hinweise auf Brandstiftung gibt es laut Kripo nicht.
Ein eisiger Wind weht an diesem Novembertag durch die Flüchtlingsunterkunft. Der Häuserblock befindet sich inmitten der Anlage, in der seit 2015 Flüchtlinge leben. Von außerhalb des Geländes ist er nicht zu sehen. Die restlichen Bewohner der Wohnungen sind in andere Gebäude umquartiert worden, Mitarbeiter der Hausverwalter helfen beim Umzug. Viele Bewohner warten auf den Shuttlebus, der sie ins Stadtzentrum bringt. Vor einem Wlan-Hotspot stehen die Menschen mit ihren Mobiltelefonen.
Die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken, so der offizielle Titel der Anlage, ist nicht unumstritten. Früher wohnten hier Angehörige des US-Militärs. Das Gelände war eine Stadt in der Stadt, mit komplett eigener Infrastruktur. So ist es auch heute. Nur leben hier keine Soldaten mit ihren Familien mehr, sondern Flüchtlinge. Ein Zaun und eine Schranke trennen sie von der restlichen Stadt. Die Regierung von Oberfranken als Betreiberin betont aber, dass jeder, wann immer er möchte, die Unterkunft verlassen könne. 2015 waren die ersten Flüchtlinge in die ehemalige US-Kaserne gezogen – sie war ursprünglich als Unterkunft für Menschen eingerichtet worden, deren Asylantrag sowieso kaum Chancen auf Erfolg hatte. Im September 2016 wurde in der ehemaligen Bamberger Kaserne aber auch reguläre erste Anlaufstelle für Asylsuchende in Oberfranken. Theoretisch gäbe es jetzt Platz für 3400 Asylbewerber. Derzeit leben dort aber nur 1230 Menschen.
Die Erweiterung war in der Stadt auf Kritik gestoßen. Mit 3400 Plätzen werde eine 73 000-Einwohner-Stadt überfordert, hatte OB Andreas Starke (SPD) argumentiert. Die Regierung von Oberfranken bemüht sich um Transparenz. Regelmäßig gibt es Medientermine – auch vom Brandort erlaubt man jetzt Foto- und Filmaufnahmen von außen. kathrin zeilmann