Bamberg – Stephan Reichel hat sich gestern in den Zug gesetzt und ist nach Bamberg gefahren. Der Geschäftsführer des ökumenischen Vereins „Matteo – Kirche und Asyl“ hatte einen Anruf bekommen, von einem jungen Syrer, den er betreut. Es war der Flüchtling, der in der Nacht auf Mittwoch das Feuer in der Asylunterkunft in Bamberg bemerkt und den Sicherheitsdienst verständigt hatte. Der Mann erhebt schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte – und Reichel wollte sich vor Ort ein Bild der Lage machen.
Der Syrer berichtete ihm, er sei noch wach gewesen, als der Feueralarm ausgelöst wurde. In der Unterkunft gebe es alle paar Tage Fehlalarme, sie würden aber nach kurzer Zeit wieder verstummen. Das passierte in der Nacht auf Mittwoch allerdings nicht. Deshalb ging der Mann nachsehen. Als ihm aus einer Wohnung dicker Rauch entgegenkam, verständigte er die Sicherheitskräfte. Doch die hätten zunächst gezögert, die Feuerwehr zu verständigen. Sie hätten ihm gesagt, sie würden das erstmal prüfen. „In der Tat hat es 40 Minuten gedauert, bis die Feuerwehr an der Unterkunft ankam“, berichtet Reichel gestern.
In dieser Zeit haben sich dramatische Szenen abgespielt. Die Familie des Syrers stand auf dem Balkon und konnte die Wohnung wegen des dicken Rauchs nicht verlassen. Er stand unten, versuchte zu beruhigen. Aus Panik warfen sie ein Baby, den Neffen des Syrers, den unten stehenden Menschen zu. Es blieb unverletzt. Doch 15 Menschen erlitten Rauchvergiftungen.
Ein Flüchtling kam ums Leben. Gestern wurde er identifiziert. Es handelt sich um einen 28-Jährigen aus Eritrea, teilte die Polizei mit. Sie geht davon aus, dass er für das Feuer verantwortlich war. Alles deutet darauf hin, dass der Brand durch eine Unachtsamkeit beim Rauchen ausbrach. Der Tote wurde bei den Löscharbeiten entdeckt.
Bislang wollen sich die Ermittler nicht zum Vorwurf des Flüchtlings äußern. Die Kritik am Verhalten des Sicherheitsdienstes werde geprüft, sagte ein Polizeisprecher. Stephan Reichel sagt: „Ich kenne den Syrer. Er ist sehr glaubwürdig.“
Er hat die Unterkunft gestern mit einem flauen Gefühl im Bauch verlassen, berichtet er. „Ich habe schon viele Unterkünfte gesehen“, sagt Reichel. „Dieses Gebäude sieht von innen aus wie ein Abbruchhaus.“ Er berichtet von herausgerissenen Böden, beschmierten Wänden. In Zwei- oder Dreizimmerwohnungen leben mehr als zehn Personen zusammen.
Insgesamt sind in der ehemaligen Kaserne rund 1200 Menschen aller Nationalitäten untergebracht. Küchen gibt es nicht, ein Catering-Unternehmen liefert für alle das gleiche Essen. Von außen ist die Unterkunft frisch gestrichen. Doch um das Gebäude gibt es einen Zaun mit Stacheldraht. „Eine solche Unterbringung bedeutet das Ende von Integration.“