Grundschüler machen Zeitung

Reporter in Ringelsocken

von Redaktion

von Josef Ametsbichler

Haimhausen – Ringelsockige Reporterfüße wippen von blauen Sitzhockern, zehn Redakteure mit konzentrierten Mienen sitzen darauf im Kreis. Es ist Themenkonferenz für die nächste Jahresausgabe von „Der kleine Hai“. Die Blattmacher, die sich dazu am frühen Nachmittag versammelt haben: vier Mädchen und sechs Buben aus der dritten und vierten Klasse. „Der kleine Hai“ ist die Schülerzeitung der Grundschule in Haimhausen (Landkreis Dachau).

Florian (9), blonde Haare, Kapuzenpulli, ist der Experte für Steckerleis und hat in einem Sachbuch recherchiert. „Jemand hat ein Glas Limo mit einem Rührstäbchen drin im Winter draußen vergessen“, erklärt er der Schülerredaktion, wie das Eis am Stiel vor über hundert Jahren erfunden wurde. Verständiges Nicken aus der Runde. Ein bisschen was Geschichtliches darf schon sein. Reihum stellen die Redakteure ihre Artikel vor, Thema der kommenden Ausgabe: Ernährung. Aber nicht nur. Sophia (8) schreibt über den Wolf, Aikatherini (9) über Griechenland und Luis (10) über Semmelknödel und die Titanic.

„Der kleine Hai“, benannt nach dem Haimhauser Schulmaskottchen, ist eines der besten Blätter in der Branche. Das hat die Redaktion schriftlich. Regelmäßig landen die Ausgaben beim Schülerzeitungs-Wettbewerb „Blattmacher“ unter mehr als 100 Mitbewerbern auf den Siegerplätzen. Preis und Auflage sind seit Jahren stabil – auf dem Zeitungsmarkt keine Selbstverständlichkeit. Das Blatt, das im Mai erscheinen wird, kostet zwei Euro – was kaum die Unkosten deckt –, gedruckt werden 200 Stück. Erfolgsrezept: ein bunter Mix aus Reportagen, Interviews, Rätseln und Rezepten – garniert mit vielen persönlichen Geschichten und Bildern der Jungredakteure.

Die Übersicht über den Themen-Mix behält die Lehrerin Sonja Gudera. Sie hat die Vorschläge der Schüler auf einem Plakat gesammelt, das vor ihnen auf dem Boden liegt. „Die Schüler sollen so viel wie möglich selbst recherchieren und schreiben“, sagt Gudera – und verteilt zum Ende der Blattkonferenz Rechercheaufträge an die jungen Zeitungsmacher. Die schwirren daraufhin in dem „Lernwerkstatt“ genannten Raum der Grundschule aus – an Tischen, Computern oder auf dem Teppich kniend brüten sie über ihren Artikeln.

Ein Teil sammelt im Internet Material für eine Witzeseite. Andere überlegen sich Fragen an Evas Onkel. Der ist Imker – und als solcher ein gefragter Interviewpartner. Wie viel Honig er im Jahr erntet, wollen sie wissen. Und wie dick eine Biene werden kann. „Frau Gudera, schreibt man Biene mit ie?“, schallt es durch den Raum. Bei einer guten Schülerzeitung will eben auch die Rechtschreibung gewissenhaft recherchiert sein.

Die Redaktionsarbeit hält die Lehrerin auf Trab. Als Lektorin, Sekretärin, Motivatorin. Am Ende wird sie auch das Layout der Ausgabe gestalten. Zu ihrer Position als Blattmacherin kam sie nicht ganz freiwillig, wie Gudera schmunzelnd zugibt. „Ein Jahr lang war ich im Panikmodus“, erinnert sie sich an den Organisationsstress für ihre erste Ausgabe des „kleinen Hai“. Für das Layout benutzte die Lehrerin kein Profiprogramm – zu kompliziert –, sondern handelsübliche Textverarbeitungssoftware. „Aber es ist dann doch was geworden“, zieht sie Bilanz. Beim „Blattmacher“-Preis kam die 40-seitige Ausgabe mit dem Thema „Erde“ bayernweit auf Platz zwei.

Bis die Druckerpressen die Ausgabe für dieses Schuljahr ausspucken, stehen für die jungen Redakteure noch einige Nachmittage in der Schreibstube an. Als Nächstes ist außerdem Recherche vor Ort bei einem Kartoffelbauern und Rinderzüchter geplant. Über die Redaktionsarbeit bloggt das Team übrigens inzwischen sogar im Internet, auf www.der-kleine-hai.org. Eine gute Zeitung bleibt eben am Ball.

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