Oberau – Ein riesiges Loch klafft seit dem Wochenende in der Gesteinswand. Die letzte Felswand im Westvortrieb Richtung Süden ist seit Freitagabend, 22 Uhr, bezwungen. Der Bautrupp der Firma Marti jubelt, stößt darauf an, macht sogar ein Erinnerungs-Gruppenfoto vor dem Loch. Es ist ein Durchbruch – nicht nur im Wortsinn. Für das 228-Millionen-Euro-Projekt Ortsumfahrung Oberau bedeutet dieser Arbeitsabschnitt einen Meilenstein. „Man merkt, jeder möchte den Berg besiegen und rauskommen“, sagte Polier Karlheinz Wohlmann kurz vor dem Durchbruch.
Die letzte Passage auf den insgesamt 2971 Metern war für das Team eine Herausforderung. Je näher die Hangkante rückte, desto größer war die Einsturzgefahr. Doch die Arbeiten verliefen ohne Komplikationen. Oberaus zweiter Bürgermeister und Sprecher der Initiative VEO (Verkehrentlastung Oberau) fuhr schon wenige Stunden später zur Baustelle, um sich das Loch in der Gesteinswand anzusehen. Bürgermeister Peter Imminger besuchte die Baustelle gestern. Ihm falle ein ganzer Gesteinsbrocken vom Herzen, sagte er. „Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.“ Am Berg kann nichts Unvorhergesehenes mehr eintreten.
Der Tunnelrohbau ist nun zu 60 Prozent fertig, erklärt Stephan Geuder von der Autobahndirektion Südbayern, die für das Großprojekt verantwortlich ist. In der östlichen Röhre fehlen noch etwa 250 Meter. Dort soll der Durchbruch nicht wie geplant im Januar, sondern schon vor Weihnachten erfolgen. Aktuell laufen im Süden Bodenverbesserungen für den Straßen- und Brückenbau. Die hochwasserarme Zeit bis März 2018 nutzen die Tunnel-Teams dann, um den Straßenausbau in den Röhren voranzutreiben. Im Frühjahr sollen die Arbeiten für die beiden Betriebsgebäude beginnen. Bis der Ort Oberau aber wirklich vom Verkehr entlastet wird und die Autos durch den neuen Tunnel rollen, wird es noch bis zum Jahr 2021 dauern.