München – Die Drohne surrt wie ein Wespenschwarm – und Innenminister Joachim Herrmann lächelt gleich doppelt. Einmal live auf dem Balkon des Gebäudes der Bereitschaftspolizei – und einmal in hoher Auflösung auf dem Flachbildschirm neben ihm. Dort wird das Livebild der Kamera-Drohne übertragen, die dem Innenminister gestern vor der Nase schwebte.
Nach mühsamen und am Ende erfolglosen Sondierungs-Tagen in Berlin durfte Herrmann gestern endlich wieder positive Nachrichten in seiner Heimat verkünden. Denn mit einem neuen Pilotversuch will sich die bayerische Polizei für die Zukunft rüsten. Ab Januar sollen alle bayerischen Polizei-Dienststellen bei Bedarf eine Drohne samt geschultem Piloten anfordern können. Dafür werden bayernweit drei weitere Multicoptersysteme angeschafft. Drei gibt es bislang schon.
Die Geräte sollen laut Herrmann „eine Lücke zwischen bodengebundenen Einsatzmitteln und dem Polizeihubschrauber schließen“. So werden Drohnen derzeit etwa schon zur Ortung von Handysignalen oder bei der Vermisstensuche eingesetzt. Der Vorteil: Drohnen können auch fliegen, wenn der Helikopter witterungsbedingt nicht starten kann – und ein Gesuchter bemerkt das kleine Fluggerät nicht so schnell wie den lauten Hubschrauber. Der 75 000 Euro teure Drohnentest soll ein Jahr lang dauern – danach will die Polizei wissen, in welchen Fällen ein Einsatz sinnvoll ist.
Die neuen Geräte werden auf drei Standorte verteilt. Eine Drohne bekommt das Polizeipräsidium Oberbayern Nord und zwar am Flughafen München im Landkreis Erding. Die zweite Drohne geht an die Spezialeinheiten Südbayern in München, die dritte an die Bereitschaftspolizei in Nürnberg. Von dort aus sollen die Geräte bei Bedarf in allen Dienststellen zum Einsatz kommen können.
Polizeidirektor Thomas Vieweg erläuterte, in welchen Fällen die neuen Drohnen genutzt werden. Ein aktuelles Beispiel: Am Freitagabend hatte sich ein kanadischer Tourist bei einer Bergtour am Kramer bei Garmisch-Partenkirchen verstiegen. Er war zwar telefonisch erreichbar, konnte aber nicht einmal sagen, auf welchem Berg er sich befindet. Wegen Nebel und Dunkelheit zeichnete sich zudem ab, dass der Rettungshubschrauber nicht mehr lange suchen kann – deshalb wurde auch eine Drohne des Landeskriminalamts angefordert. Gebraucht wurde sie allerdings nicht mehr, kurz vor Mitternacht konnte der Wanderer noch mit dem Hubschrauber per Wärmebildkamera geortet werden – gerettet wurde er nach einer kalten Nacht am nächsten Morgen. In Situationen wie diesen sollen Polizeidrohnen auch künftig bereitstehen – zusätzlich zu den mittlerweile rund 50 Drohnen der bayerischen Bergwacht, mit der die Polizei hier eng zusammenarbeitet.
Neben der Vermisstensuche sollen Drohnen aber auch bei Unfallaufnahmen helfen, bei Großveranstaltungen für mehr Sicherheit sorgen oder bei Taktikübungen der Polizei einen Überblick geben. Auch bei Waldbränden können sie bei der Suche nach Brandnestern eingesetzt werden. „Wir haben schon jetzt zahlreiche Anfragen aus den Dienststellen“, sagt Vieweg, der die zuständige Arbeitsgruppe leitet.
Bei Demonstrationen und anderen Versammlungen sollen die fliegenden Helfer aber vorerst nicht zum Einsatz kommen, betont Herrmann. Der Grund: Datenschutz. Hier dürfte Bayerns Bürgern das Surren der Drohne also vorerst nicht begegnen.