Unser bairisches Wort

Die Froas

von Redaktion

Streng genommen sind „Fraisen“ genau bestimmbare Krankheiten, epileptische Anfälle, besonders bei Kindern. Ausgelöst wurden sie nicht selten durch den Verzehr von giftigem Mutterkorn. In Zeiten, da man sich vor allen Arten von „Hi’Foierts“ und „Veitstänzen“ graute, da man das Werk des Satans dahinter vermutete, kannte man kaum andere Mittel dagegen als Gebete und Schutzamulette. So wurden den kleinen Kindern „Fraisenketten“ umgelegt, bestehend aus wundertätigen Steinen, Natternwirbeln und winzigen Tonfiguren. In „Fraisenbriefen“ schrieb man Segens- und Beschwörungsformeln, etwa den Benediktussegen oder den Zachariassegen. Ein Relikt dieser Zeiten ist der mundartliche Ausspruch „I bin in Froas g’foin!“, was so viel heißt wie: „Ich bin völlig außer mir gewesen!“

Norbert Göttler

Bezirksheimatpfleger Oberbayern

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