Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Maximilian Rampf, 29, wurde in Tegernsee geboren und lebt von klein auf in Gmund im Landkreis Miesbach. Er ist selbstständig tätig bei einem Obst- und Gemüsegroßhandel sowie bei der Strandbar „Leda & Schwan“.
-Herr Rampf, was ist Ihr Lieblingsplatzerl in Gmund?
Hm. Das frühere Strandbad bei der „Vipa“ in Kaltenbrunn. Das war unser Wohnzimmer, als ich noch klein war. Tagsüber Baden, Eis und Schinken-Käse-Toast – und abends eine lockere Strandbad-Location mit gutem Essen für jeden. Das war der Treffpunkt in Gmund für Jung und Alt. Wär’ irgendwie cool, wenn sich da wieder mehr tun würde.
-Das heißt, so etwas fehlt im Ort…
Ja, eine Location für Junge und Junggebliebene, wo’s nicht so genau her geht. Ganz egal, ob man mit Badehose, Sportklamotte oder Anzug kommt. Ein bisschen wie unser Strandbad „Leda & Schwan“ in Bad Wiessee. Nur natürlich etwas langfristiger geplant, damit man zum Beispiel mit einer richtigen Küche arbeiten kann.
-Wie kann man denn als Jugendlicher in Gmund die Zeit totschlagen?
Wenn man kein Sportler ist, sind einem fast die Hände gebunden und man muss am See abhängen. Sonst passiert nicht viel. Andere Orte wie Rottach-Egern haben mehr Möglichkeiten. Dort kann man in Bars gehen oder in Restaurants.
-Wie würden Sie Ihren Ort mit drei Worten beschreiben?
Ich als Legastheniker darf bestimmt lang-wei-lig sagen, oder?
-Warum verlassen Sie Gmund dann nicht?
Ich war lange in München. Aber ich habe in Gmund meine Wurzeln und Freunde. Deshalb bin ich gerne hier.
-Gibt es etwas, wofür die Gemeinde bekannt ist?
Ich finde, für die Büttenpapierfabrik im Louisenthal. Die hat mit ihrem wunderschönen Papier Erfolg über die Landesgrenzen hinaus. Handgearbeitet, qualitätsbewusst, traditionell und bodenständig – alles Punkte, die meiner Meinung nach noch viel öfter mit dem Tegernseer Tal in Verbindung gebracht werden sollten.
-Ihr Tipp als Experte: Was muss man in Gmund gesehen haben?
Das klingt jetzt vielleicht seltsam und makaber – aber ich glaub’, der Bergfriedhof in Gmund ist wirklich der schönste und ruhigste Platz mit dem besten Blick.
-Wie tickt denn der Einheimische?
Der Einheimische ist brutal stolz auf seine Traditionen und das feste Fundament, auf dem er steht. Viele nehmen das und packen da ihre Kreativität dazu. Dadurch entsteht viel Neues, wie zum Beispiel der Voitlhof mit der Hutmacherei Wiesner in Rottach oder die Naturkäserei.
-Und was sagt der Einheimische zu den vielen Touristen, die den Ort und das gesamte Tegernseer Tal belagern?
Die Menschen hier sind dankbar für den Tourismus. Das ist ein Teil von uns. Man kann ja auch nicht am Arlberg sagen: ,Sch… Skifahrer‘“.
-Aber da gibt’s doch bestimmt auch andere Meinungen, oder?
Ja, aber ich finde, man sollte nicht in sozialen Medien zusammen mit lokalen Zeitungen oder unter Beiträgen auf die „bläden Zugroastn, Münchner und Touristen“ schimpfen. Ich glaube, ein echter Tegernseer lacht oder schmunzelt mal über den einen oder anderen – braucht damit aber nicht groß vor die Tür zu gehen oder öffentlich zu schimpfen.
Interview: Manuela Schauer
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