Neuschönau – Tiere kennen keine Staatsgrenzen. Die Flora und Fauna der Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald lassen sich deshalb von jeher nicht getrennt aus rein nationalen Gesichtspunkten betrachten. Zwar trennt beide Parks die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien – auch werden sie eigenverantwortlich vom Freistaat auf der einen und Tschechien auf der anderen Seite betrieben. Doch sowohl die bayerische als auch die böhmische Seite sehen seit Langem die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit
Seit 2014 haben sich die beiden Nationalparks nun auch auf organisatorischer Ebene angenähert. Die Leiter der zwei Schutzgebiete, Franz Leibl und Pavel Hubeny, arbeiten bei Themen wie Forschung, Tourismus und Umweltpädagogik immer enger zusammen. Neuerdings gibt es sogar einen Mitarbeiter, der je zur Hälfte im Bayerischen Wald und im Böhmerwald angestellt ist und die Kooperation betreut. Der Biologe Pavel Becka sei die Schnittstelle im Management, sagt Leibl. Weil Becka zudem neben Tschechisch auch Deutsch spricht, könne er eine der größten Barrieren – die sprachliche – überwinden helfen.
Für die Finanzierung gemeinsamer Projekte hätten sie in diesem Jahr – bis 2019 – insgesamt sechs Millionen Euro von der EU bewilligt bekommen, sagt Leibl. Davon könnten unter anderem zweisprachige Broschüren und Hinweisschilder, Schüleraustausche, Forschungsaufträge und eine Besucherbefragung bezahlt werden. Wichtig sei es auch, die Besucher überhaupt auf den jeweils anderen Nationalpark aufmerksam zu machen. Vielen sei unter Umständen gar nicht bewusst, dass der Schutzraum auf der anderen Seite der Staatsgrenze weitergehe, sagt Leibl. Sie könnten auch voneinander profitieren. So hätten die tschechischen Kollegen beispielsweise mehr Erfahrung im Umgang mit Hochmoorlandschaften. Und die wiederum hätten sich etwa bei der Gestaltung der Besucherzentren von ihren deutschen Nachbarn inspirieren lassen, sagt Hubeny.
Bis vor dreieinhalb Jahren sei die Beziehung der Nationalparks eher kühl gewesen, erinnert sich Leibl. Beide Geschäftsführungen hätten inhaltlich völlig unterschiedliche Vorstellungen vertreten. Die Vorgänger des jetzigen Böhmerwald-Direktors hätten sich von der Nationalpark-Idee zunehmend verabschiedet.
Mit Pavel Hubeny dagegen verbinde ihn nicht nur die Landschaft und die Natur, sondern auch die Philosophie. Sie verfolgten ein gemeinsames Ziel, ergänzt Hubeny. „Wir wollen die Natur auf einem überwiegenden Teil der Fläche Natur sein lassen. Und es den Menschen ermöglichen, das zu sehen.“ Artenschutz schreiben beide groß.
Die beiden Nationalparks bilden Leibl zufolge insgesamt die größte zusammenhängende Waldfläche in Mitteleuropa. Die 1970 gegründete Schutzzone Bayerischer Wald ist etwa 24 000 Hektar groß, der 1991 gegründete Böhmerwald-Park ist weit größer und erstreckt sich über etwa 68 000 Hektar. lby/ till