Pestizid-Debatte

Glyphosat: Bayern will Beschränkung

von Redaktion

von Dominik Göttler

München – Nach der SPD machen auch die Grünen Druck für eine nationale Beschränkung beim Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. In einem Bundestags-Antrag wollen sie heute einen „Ausstiegsplan mit umweltverträglichen Alternativen“ und „größtmögliche Anwendungsbeschränkungen“ für die Landwirtschaft fordern. Auch in Bayern gibt es bereits Pläne für eine Beschränkung.

Klaus Gehring ist Pflanzenschutzexperte bei der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Er – und mit ihm auch Wissenschaftler verschiedener Forschungseinrichtungen – sehen die Verbotsforderungen skeptisch. „Natürlich wäre eine Landwirtschaft ohne Glyphosat möglich“, sagt Gehring. Schließlich habe es vor der Einführung des Mittels in den 1970er-Jahren auch einen funktionierenden Ackerbau gegeben. Aber man müsse sich die Folgen einer solchen Entscheidung bewusst machen.

„Derzeit gibt es einfach technisch keine Eins-zu-Eins-Alternative“, sagt Gehring. Mit gutem Grund würden glyphosathaltige Mittel derzeit in bestimmten Bereichen eingesetzt. Denn ohne das Herbizid bräuchten die Landwirte vor der Saat andere Methoden, um dem Unkraut auf ihren Äckern Herr zu werden. Die meisten, das ergeben Studien, würden wieder auf den Pflug zurückgreifen. Das bedeute nicht nur mehr Arbeitsstunden auf dem Bulldog und damit auch mehr Kohlenstoffdioxid-Ausstoß, erklärt Gehring, sondern besonders in Hanglagen auch mögliche Umweltschäden durch Bodenerosion. „Die Bewirtschaftung würde durch ein Glyphosat-Verbot wesentlich aufwendiger“, sagt Gehring. Er fürchtet, dass der Arbeitsaufwand für Ein-Mann-Betriebe nur noch schwer zu stemmen wäre, zumal für die Erträge wegen des starken internationalen Wettbewerbs keine Mehreinnahmen zu erwarten seien.

Gehring ist aber auch der Meinung, dass bei der Intensität des derzeitigen Glyphosat-Einsatzes in Deutschland eine Grenze überschritten wurde. Dass mittlerweile bei Untersuchungen des Grundwassers Glyphosat-Rückstände gefunden werden, dürfe nicht sein. Sein Lösungsansatz: eine auf die Fläche gerechnete Wirkstoffgrenze. So könnte jeder Bauer gezielt entscheiden, wo der Einsatz für ihn unverzichtbar ist.

Bayerns Bio-Bauern verzichten grundsätzlich auf den Einsatz von Pestiziden – und damit auch auf Glyphosat. „Es geht, dank vielfältiger Fruchtfolgen und innovativer Technik zur Bodenbearbeitung“, sagt Josef Wetzstein, Vorsitzender der Landesvereinigung für ökologischen Landbau in Bayern. Gemeinsam mit dem Bund Naturschutz plädiert er deshalb für einen Ausbau der bayerischen Initiative BioRegio Bayern 2020. Vor fünf Jahren hatte Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) angekündigt, die Zahl der Bio-Bauern bis 2020 auf 13 000 verdoppeln zu wollen. Derzeit sind es rund 9000.

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz, nennt Österreich als Vorbild. Im Salzburger Land etwa würden bereits die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe ökologisch und damit ohne Herbizide wie Glyphosat wirtschaften. In Bayern sei die Nachfrage nach Bio-Produkten zwar groß, sie könne jedoch nur zur Hälfte mit heimischen Produkten gedeckt werden. „Diesen Markt müssen wir selbst besetzen.“

Minister Brunner hält eine Fortsetzung des BioRegio-Programms über 2020 hinaus wie Weiger für notwendig. Es sei unbefriedigend, dass die Abhängigkeit von Bio-Importen zunimmt, „während wir im konventionellen Bereich mehr produzieren, als wir selbst verbrauchen können“. Hier würden wichtige Wertschöpfungsmöglichkeiten verloren gehen.

Beim Einsatz von Glyphosat setzt Brunner auf Bundesebene auf ein Verbot in bestimmten Bereichen, zum Beispiel in Privatgärten und bei der sogenannten Sikkation, also der Ernteerleichterung etwa bei Raps. Stärker reglementiert solle der Einsatz außerdem auf allen öffentlichen Flächen werden. Für die Anwendung auf dem Acker würden an der Landesanstalt für Landwirtschaft derzeit Bewirtschaftungsmethoden erforscht, die Glyphosat künftig überflüssig machen sollen. „Hier gilt es, Alternativen zu finden und den Landwirten praxisgerechte Hilfen zur Verfügung zu stellen“, sagt Brunner. So wird auf dem bayerischen Staatsgut Almesbach in der Oberpfalz seit Kurzem versuchsweise glyphosatfrei gewirtschaftet. So, wie es Grüne und SPD gerne überall hätten.

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