Bertelsmann-Studie

Was die Bayern zusammenhält

von Redaktion

von christoph hollender

München – Die Bayern halten zusammen. In einer neuen Studie hat der Freistaat den dritthöchsten Wert von allen Bundesländern erreicht. Die Bertelsmann-Stiftung hat 5041 Deutsche befragt, ob der Zusammenhalt in ihrer Heimat gut ist. Das Fazit für Bayern ist positiv. 77 Prozent geben an, dass der Zusammenhalt in ihrer Umgebung sehr gut oder gut ist. Die höchsten Werte haben die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Landsberg am Lech, Weilheim-Schongau, Kaufbeuren, Kempten (Allgäu), Memmingen und Lindau (Bodensee) erreicht. Am wenigsten fühlen sich die Menschen in Augsburg, Aichach-Friedberg, dem Landkreis Augsburg, Günzburg und Neu-Ulm zusammengehörig.

Dass Bayern über dem Bundesdurchschnitt liegt, hat wirtschaftliche und soziale Gründe, wie Kai Unzicker von der Bertelsmann-Stiftung sagt. „Je höher das Einkommen der Menschen und je geringer das Armutsrisiko ist, desto höher ist der Zusammenhalt der Menschen.“ Das sei in Bayern der Fall. Ostdeutschland hingegen kann sich daran ein Beispiel nehmen. Dort herrschen laut Unzicker „schwierige soziale Situationen“.

Neun Themengebiete arbeitete die Bertelsmann-Stiftung in der Studie ab. Die Teilnehmer wurden unter anderem zu sozialen Netzen, dem Vertrauen zu den Mitmenschen und zu Institutionen wie Polizei oder ihrer Regierung befragt. Der höchste Wert in Bayern ist die Anerkennung sozialer Regeln. 82,16 von 100 Punkten konnten die Bayern hier abräumen und sich damit an erster Stelle im Bundesländervergleich setzen. Darunter fallen nicht nur Straftaten, die die Polizei verfolgt hat, sondern auch Verhalten, das gegen gesellschaftliche Normen und Konventionen verstößt, beispielsweise wilde Graffiti, wie Kai Unzicker erklärt. Am wenigsten werden soziale Regeln in Berlin eingehalten.

Das ehrenamtliche Engagement spielt beim Thema Zusammenhalt in der Gesellschaft eine große Rolle. Je mehr Menschen sich für das Gemeinwohl einsetzen, desto höher ist auch das soziale Miteinander – und andersrum. Das erklärt mitunter, wieso es in Bayern viele Ehrenamtliche gibt. 2015 haben sich rund 5,2 Millionen Menschen engagiert (47 Prozent). 2009 waren es 33 Prozent, wie das Sozialministerium mitteilt.

Luft nach oben hat Bayern noch, was das Gerechtigkeitsempfinden angeht. Nur wenige Befragte haben angegeben, dass es im Freistaat allemal gerecht zugeht. Konkret geht es darum, ob beispielsweise die Mieten und Löhne fair sind. Besonders für die Ballungsräume sehen das viele kritisch. Die hohen Mieten in München spielen dabei eine große Rolle, sagt Kai Unzicker.

Seit 2011 Politiker vermehrt über das Thema Zusammenhalt diskutieren, befasst sich die Stiftung mit diesem Thema. „Dazu müssten wir erst einmal wissen, ob der Zusammenhalt im Land in Gefahr ist und woran das liegt“, sagt Unzicker. Bei der Befragung zur aktuellen Studie habe sich gezeigt, dass es Unterschiede zwischen der persönlichen Sicht und der Sicht auf das ganze Land gibt.

Drei von vier der Befragten sind hier der Auffassung, dass der Zusammenhalt im gesamten Land zumindest zum Teil gefährdet ist. Das ist besonders in Regionen, in denen Armut, Jugendarbeitslosigkeit und Überalterung der Bevölkerung hoch sind, der Fall.

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