Claudia Ritter-Rupp, zweite KVB-Vorsitzende, sieht sogenannte E-Mental-Health-Angebote kritisch, die zunehmend auch von Krankenkassen angeboten würden. Derzeit dränge eine für Patienten völlig unüberschaubare Flut von Online-Programmen oder Apps auf den Markt. „Häufig werden diese onlinebasierten psychotherapeutischen Interventionen von kommerziellen Anbietern sehr aggressiv als ,Online-Psychotherapie’ vermarktet“, sagt Ritter-Rupp. Dabei werde teilweise mit fragwürdigen Wirksamkeitsbehauptungen, sehr veralteten Zahlen und kritisch zu hinterfragenden Studien argumentiert. Ohne eine sorgfältige Diagnose im persönlichen Kontakt blieben schwere Störungen und ein umfassender Therapiebedarf meist unerkannt. Dies könne gravierende Folgen haben, wenn die Betroffenen in eine persönliche Krise geraten sollten. „Auch haftungsrechtliche Fragen sind in diesem Zusammenhang bislang nicht ausreichend geklärt“, sagt die Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. hor