Prozess zu brutalem Doppelmord

Anklage im Fall Höfen erhoben

von Redaktion

Von Katrin Woitsch

Königsdorf – Der brutale Doppelmord von Höfen ist aufgeklärt – aber längst noch nicht abgeschlossen. Nicht nur in dem kleinen Weiler im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen werden die Bürger gespannt den Prozess verfolgen, der kommendes Jahr beginnt. Die Staatsanwaltschaft München II hat gestern Anklage erhoben. Vier Polen im Alter zwischen 24 und 49 Jahren sind wegen Mordes, erpresserischen Menschenraubes und besonders schweren Raubes angeklagt. Ihnen drohen lebenslange Haftstrafen, sollten sie schuldig gesprochen werden.

Die vier Polen sitzen seit April in U-Haft in einem Gefängnis in Bayern. Drei von ihnen wurden im April nach intensiver Fahndung in Polen gefasst. Es handelt sich um den Bruder (43), den Sohn (23) und einen Bekannten (32) der 49-jährigen Pflegekraft, die für Luise S. und ihren verstorbenen Mann gearbeitet hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie den Plan für den brutalen Raubüberfall entwickelt hatte. Erbeutet hatten die Täter damals Bargeld in fünfstelliger Höhe sowie Schmuck- und Wertgegenstände.

Sie waren Ende Februar in das Haus der 76-jährigen Witwe eingebrochen, als sie gerade Besuch hatte. Sie sollen auf brutalste Weise auf die drei Senioren losgegangen sein. Ein 81-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen und eine 76-Jährige aus der Nähe von Frankfurt wurden erschlagen. Der Hausbesitzerin Luise S. soll es nach Informationen unserer Zeitung gelungen sein, sich im Schlafzimmer einzusperren. Doch die Täter schlugen die Tür ein und misshandelten sie brutal. Sie überlebte mit schwersten Verletzungen. Gefunden wurde sie erst zwei Tage nach dem Überfall. Auch zwei Monate nach der Tat war sie noch nicht vernehmungsfähig. Zu ihrem Gesundheitszustand und ihrem Aufenthaltsort will sich die Polizei knapp ein Jahr nach der Tat nicht äußern. Auch ob sie im Prozess als Zeugin aussagen wird, ist noch nicht klar.

Der Termin für den Prozess steht ebenfalls noch nicht fest. „Wir hoffen, dass er in der ersten Jahreshälfte stattfinden wird“, sagt Oberstaatsanwältin Andrea Mayer. Wie viele Prozesstage bis zum Urteil nötig sein werden, hänge sehr davon ab, ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden. In der Nähe des Tatorts wurde eine DNA-Spur des 49-jährigen Polen gefunden. Er war bereits vorher polizeilich bekannt. Auf die Spur der Pflegerin war die Polizei durch Hinweise aus der Bevölkerung gekommen.

Die Oberstaatsanwältin geht davon aus, dass zahlreiche Menschen den Prozess im Gerichtssaal verfolgen wollen. „Die Tat war grausamer als die meisten Tötungsdelikte“, sagt sie. Nicht nur in Höfen, dem Ortsteil der Gemeinde Königsdorf, gab es lange nach der Tat kein anderes Thema. Viele Bürger hatten Angst, die Polizei war wochenlang mit zahlreichen Kräften vor Ort. Erst nach der Verhaftung der vier Polen kehrte wieder etwas Ruhe ein. Seitdem warten alle auf den Prozess.

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