München/Karlskron – Parkdeck oder Parkplatz – das ist die Streitfrage im kleinen Karlskron südlich von Ingolstadt. Der Logistik-Riese Scherm will seine Stellflächen erweitern, um etwa 25 Hektar oder umgerechnet 35 Fußballplätze. „Die Bürger sind ziemlich aufgebracht“, berichtet der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Ludwig Hartmann, der sich gestern vor Ort einen Eindruck von der Dimension des Vorhabens verschaffte. Schon heute warten auf den Stellflächen des Logistikunternehmen im Schnitt 13 000 fabrikneue Wagen auf die Auslieferung an Autohäuser und Großabnehmer. Künftig könnten es einige tausend mehr sein. Für Hartmann wäre das ein neuer krasser Fall von Flächenfraß.
Im Vorfeld des Besuchs gab es etwas Ärger mit der Firma, die sich vorgeführt sieht. „Wir werden von den Grünen nur auf Autohalden reduziert“, sagt Unternehmenssprecher Maximilian Roos. Zwar konnte er mit Hartmann gestern vor Ort reden, doch die Positionen sind unvereinbar: „Unsere Linie ist klar: Die sollen doch ein Parkdeck bauen, auch wenn das teurer ist“, sagt Hartmann.
Die Firma weist das zurück: Ein eingeschossiges Parkdeck sei „nicht wirtschaftlich umsetzbar“, es werde außerdem nur ein Drittel der Fläche versiegelt– nicht nur mit Stellflächen, sondern auch mit Büros. Noch ist das Vorhaben nicht genehmigt.
Auch auf politischer Ebene glimmt der Streit um Flächenfraß weiter. Am Freitag endet die letzte Einspruchsfrist gegen den CSU-Plan, der Erleichterungen bei der Ansiedlung von Gewerbe auf der grünen Wiese vorsieht. Zur Erinnerung: Die CSU will im Landesentwicklungsprogramm (LEP) das sogenannte Anbindegebot so ändern, dass Gewerbe an vierspurigen Bundesstraßen und Autobahn-Anschlüssen abseits von Ortschaften erlaubt ist – allerdings nur dann, wenn das Orts- und Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird. Diese vom CSU-Wirtschaftspolitiker Erwin Huber zum Unwillen von Heimatminister Markus Söder durchgesetzte Einschränkung werde begrüßt, schreibt Holger Magel von der Bayerischen Akademie ländlicher Raum in einer Stellungnahme an das Heimatministerium. Die Erfahrung zeige aber, dass die Landratsämter die Planung von Gewerbeflächen „überaus wirtschafts- und wachstumsfreundlich“ beurteilten und nur unzureichend „andere Aspekte wie den Schutz der identitätsstiftenden Kulturlandschaft sowie des vertrauten Orts- und Landschaftsbildes einfließen lasen“. Auch das Gebot zum Flächensparen „kommt regelmäßig zu kurz“, rügt Magel. Die Akademie schlägt den Erlass einer Verwaltungsvorschrift vor, in der klar geregelt werden müsse, wie die Beeinträchtigung eines Orts- und Landschaftsbildes festgestellt und wann die „Schwelle zur Wesentlichkeit“ überschritten werde. Dieser Präzisierung müsse unbedingt eingefügt werden, sagte Magel gegenüber unserer Zeitung. Die Akademie könne gerne Formulierungshilfe leisten. „Ansonsten schauen wir sehenden Auges zu, wie alles kaputt gemacht wird.“
Ob die Einwände berücksichtigt werden, liegt nun allein im Ermessen der Staatsregierung. Der Landtag kann hingegen nicht mehr mitreden, denn die LEP-Änderung ist bereits beschlossen.
Grünen-Fraktionschef Hartmann geht davon aus, dass sich beim Anbindegebot nichts mehr ändern lässt. Er setzt jetzt auf das Volksbegehren gegen Flächenfraß. Beim Ortstermin in Karlshuld nahm er auch weitere Stapel mit Unterschriften in Empfang. Die erforderlichen 25 000 Unterzeichner seien fast beisammen, schätzt er. Die Listen würden derzeit gezählt und müssten dann an die Einwohnermeldeämter zur Überprüfung der Eintragungen geschickt werden. Das sei wohl Formsache. „Wir sammeln noch bis Jahresende, sind aber auf der Zielgeraden.“