München/Tirol – Die Einsatzkräfte in den Alpen sind in Alarmbereitschaft: Die Gefahr von Lawinenabgängen steigt. Im österreichischen Tirol mussten Retter bereits zu Alpinunfällen ausrücken. Bei einem Lawinenabgang am Sidanjoch in Tirol wurden eine 46-jährige Frau aus Murnau und ein 44-jähriger Mann aus Bad Tölz verletzt.
Eine Skigruppe aus Bayern hat die Lawine ausgelöst, wie ein Polizeisprecher mitteilt. Die vier Wintersportler waren demnach am Mittwoch im freien Gelände auf Skitour in 2000 Metern Höhe gewesen, als sie bei der Abfahrt ein Schneebrett auslösten. Der 44-Jährige und die zwei Jahre ältere Frau wurden von den Schneemassen rund 40 Meter mitgerissen. Der Mann konnte seinen Airbag-Rucksack öffnen und wurde deshalb nicht verschüttet. Die Frau wurde hingegen teilverschüttet. Ihre Begleiter konnten sie befreien und holten Hilfe. Ein Rettungshubschrauber brachte die Wintersportlerin in ein Krankenhaus.
Der jüngste Schneefall in den Alpen verschärft die Lawinengefahr. Der Lawinenwarndienst Bayern hat am Donnerstag die dritte von fünf Warnstufen ausgegeben. „In der Nacht haben wir recht viel Neuschnee bekommen, etwa 20 bis 30 Zentimeter“, erklärt ein Experte. Bei den windigen Verhältnissen bestehe im gesamten bayerischen Alpenraum oberhalb der Waldgrenze eine erhebliche Lawinengefahr: „Dort kann der Wind richtig wirken.“ Mit dem Tauwetter, das zum Wochenende hin einsetzen soll, werde das Risiko vorerst so hoch bleiben.
Erste Konsequenzen daraus musste das Skigebiet Wendelstein gestern ziehen. Der Betrieb dort wurde wegen akuter Lawinengefahr eingestellt, wie eine Sprecherin der Wendelsteinbahn mitteilt. Die Wetterlage sei kritisch, insbesondere wegen des starken Windes und Neuschnees. An der Ost-Abfahrt hätte sich Schnee aufgetürmt, der gesprengt werden müsste, um die Lage zu entschärfen. Ab Freitag soll der Skibetrieb wieder normal laufen.
Antonia Asenstorfer, Sprecherin der Brauneck- und Wallbergbahnen, gibt hingegen Entwarnung, obwohl es am Donnerstag knapp einen halben Meter Neuschnee gab. Derzeit bestehe in der Region keine Gefahr. Täglich würden Spezialisten die Schneelage überprüfen. Sollte es zu einer Gefährdung durch Lawinen kommen, würden Experten gezielt Schneemassen sprengen. Der Skibetrieb am Brauneck laufe aktuell normal, so Asenstorfer.
Auch auf der Zugspitze gebe es keine Gefährdungslage, wie ein Sprecher der Zugspitzbahn mitteilt. Eine Lawinenkommission beurteilt die Situation an den Pisten. „Aktuell müssen keine Pisten gesperrt werden.“ Was im freien Gelände – also außerhalb der Pisten – passiere, liege in der Verantwortung der Skifahrer und Tourengeher.
Der Deutsche Alpenverein ruft zur Vorsicht auf. Vor allem an kammnahen Steilgelände der Hangrichtungen Nordwest über Nord bis Südost sowie in triebschneeverfüllten Rinnen und Mulden bestehe die Gefahr für Lawinenabgänge. Laut Lawinenwarndienst Bayern wird sich die Lawinengefahr bis Freitag kaum verändern.