Unsere Heimatkolumne

Neustart mit lieb gewonnenen Ritualen und guten Vorsätzen

von Redaktion

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – wer kennt das Gedicht von Hermann Hesse nicht? Irgendwie ist es tatsächlich immer ein ganz besonderes Gefühl, wenn ein Jahr endet und ein neues beginnt. Eine Mischung aus einem Hauch von Wehmut und Spannung auf das, was wohl kommen mag. Nicht alles ging glatt, so mancher Wunsch blieb unerfüllt. Vielleicht galt es auch den einen oder anderen Schicksalsschlag zu überwinden. Am besten, sich die Zeit nehmen, um 2017 noch einmal Revue passieren zu lassen. „Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und seinen Wolken hinter mir“, ein Zitat von Goethe. Dass die Karten neu gemischt werden – eigentlich doch positiv, man darf neugierig sein.

Wer beim Jahreswechsel an Papst Silvester I., bis zu seinem Tod am 31. Dezember 335 Oberhaupt der römischen Kirche, denkt, muss sich von Historikern belehren lassen: Der Heilige, auch Schutzpatron für Haustiere und zuständig für eine gute Ernte im neuen Jahr, hat damit nämlich nichts zu schaffen. Der Zusammenhang ist einfach purer Zufall.

Jeder hat so sein eigenes geliebtes Ritual, um ins neue Jahr hinein zu feiern. Mit einem großartigen Silvesterball, zünftig auf einer Skihütte, gemütlich zu Hause mit Familie und Freunden. Und da ist dann auch alles wie immer: Fondue-Essen, Bleigießen und einen Blick in die Zukunft wagen, „Dinner for one“ zum x-ten Mal im Fernsehen schauen, gemeinsam in den Himmel gucken, wenn aus Leuchtraketen ein Sternenfeuer wird.

„Same procedure as every year“: die Frage nach den guten Vorsätzen. Originell sind sie nicht: regelmäßig Sport treiben, das eine oder andere Pfund abnehmen, sich gesünder ernähren, endlich weg mit den Zigaretten. Leicht geht es uns über die Lippen, aber Umfragen bestätigen es: Nicht einmal zehn Prozent können Ende Januar noch stolz behaupten, die guten Vorsätze erfolgreich in die Tat umgesetzt zu haben. Schlechte Gewohnheiten lassen sich eben nicht einfach aus dem Fenster werfen, man muss sie die Treppe hinunterstoßen, Stufe für Stufe.

Mein persönlicher Vorsatz ist: Im Ordnerschrank Ordnung schaffen. Vielleicht gelingt es mir.

Und dann Neujahr! Was wünscht man sich da nicht alles. Hals- und Beinbruch! Auf ein Neues! Einen guten Rutsch! Mit dem Glatteis auf den Straßen hat das hoffentlich nichts zu tun. Rüberrutschen ins neue Jahr? Möglich, aber angeblich auch nicht richtig. Einen möglichen Erklärungsansatz soll eher das hebräische Wort „Rösch“ liefern. Auf Jiddisch wünscht man sich „a git Rösch“, einen guten Kopf.

Das klingt doch gut, finde ich. Schön auch der Brauch, Fremden, denen man auf der Straße begegnet, ein glückliches neues Jahr zu wünschen. Einfach nur „a Guat’s“, das stört mich allerdings genauso, wie wenn jemand nur „Morgen“ sagt. So viel Zeit für ein freundliches „Guten Morgen“ sollte sein.

Ein ganz besonderer Nachmittag am letzten Tag des Jahres ist für mich das Silvester-Essen für bedürftige Münchener, ins Leben gerufen von Günter und Margot Steinberg. „S’ Münchner Herz“ heißt ihre Stiftung.

Seit 1999 ist im ersten Stock des Hofbräukellers jeder einzelne Platz besetzt. Am schönsten sind die Gespräche. Sich auch im nächsten Jahr wieder ehrenamtlich zu engagieren, ich finde, das ist mal ein wirklich guter Vorsatz.

Also „a Guats“, nein, bitte nicht, ich wünsche Ihnen ein glückliches neues Jahr!

In diesem Sinn

herzlich

Ihre Carolin

Unter meinem weiß-blauen Himmel

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