Skitourengeher stürzt in Doline

Rettung aus dem Schneeloch

von Redaktion

von Josef Ametsbichler

Lofer/Schnaitsee – Seit über 30 Jahren ist Martin Leitinger bei der Bergrettung, doch ein Unfall wie am letzten Tag des vergangenen Jahres ist dem Einsatzleiter der Bergrettung von Lofer im Salzburger Land noch nicht untergekommen. Ein Skitourengeher aus Schnaitsee (Kreis Traunstein) war bei der Abfahrt am Schneehorn nahe der deutsch-österreichischen Grenze zum Berchtesgadener Land in eine Doline, eine trichterförmige Sinkhöhle, gestürzt – 14 Meter tief, davon fünf Meter eine senkrechte Felswand hinab.

Der 30-Jährige hatte das Loch schlicht übersehen und war hineingefahren – schuld daran seien dichter Schneefall und allgemein schlechte Sichtverhältnisse gewesen, sagt Bergretter Leitinger. In schneereicheren Wintern seien die Löcher, von denen es am Seehorn einige gibt, zugeschneit und könnten einfach überfahren werden. Der Tourengeher hatte bei dem Unfall am Samstag also gleich doppelt Pech mit dem Wetter.

Aber doppelt Glück, was den Ausgang des Sturzes angeht: Ein Mitglied der Loferer Bergrettung war zufällig ebenfalls an dem Hang unterwegs und beobachtete bei seinem Aufstieg den Unfall. Er verständigte seine Kollegen, ein Sechsertrupp stieg zur Unfallstelle auf. Ein Helikopterflug war wegen des schlechten Wetters nicht machbar.

Die Retter befreiten den Tourengeher per Kletterseil schnell aus seiner misslichen Lage, und das – Glücksfall Nummer zwei – fast unverletzt. Der Mann hatte nur leichte Schulterschmerzen. Reichlich Neuschnee im Inneren der Doline hatte seinen Aufprall abgefedert. Er konnte die restliche Abfahrt das Seehorn hinunter selbst bewältigen.

Was wie ein kurioses Missgeschick wirkt, hätte unter anderen Umständen aber ein böses Ende nehmen können. Obwohl der Schnaitseer geübter Sportkletterer ist, ist sich Leitinger sicher: „Alleine wäre er unmöglich herausgekommen.“ Auch wenn bisher noch nichts Ernstes passiert ist, mahnen die Bergretter daher zu Aufmerksamkeit in der Nähe der Dolinen am Seehorn, die manchmal schlecht zu erkennen seien. Laut Leitinger locken Pulverschnee und der schöne Aufstieg an guten Tagen bis zu 200 Tourengeher auf die Strecke.

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