CSU-Mann Ludwig Spaenle ist seit knapp zehn Jahren Kultusminister und seit mehr als 20 Jahren im bayerischen Landtag. Mit seinen bisherigen Anstrengungen in Sachen Bildung zeigt er sich zufrieden. Im Interview spricht er über Unterrichtsausfall, Ganztagsschule und Islamunterricht – und blickt auf das Jahr 2018.
-Herr Spaenle, das Bildungspaket des Landtags sieht bis zum Jahr 2025 2000 zusätzliche Lehrerstellen an Bayerns Schulen vor. Gehören Unterrichtsausfälle damit trotz steigender Schülerzahlen der Vergangenheit an?
Wir haben schon jetzt mehr Lehrkräfte, als es für die reine Versorgung braucht. Es werden aber trotzdem immer mal wieder Stunden ausfallen. Wer eine Unterrichtsgarantie abgibt, handelt meiner Meinung nach politisch unverantwortlich. Das ist in einem System mit mehr als 100 000 Beschäftigten unmöglich. Das Ziel muss sein, den Ausfall zu minimieren.
-Wie wird dieses Ziel in Bayern verfolgt?
An Grund- und Mittelschulen arbeiten wir mit der mobilen Reserve, etwa 2400 Kräften, die einspringen, wenn Not am Mann ist. An Realschulen und Gymnasien gibt es die integrierte Reserve, bei der die Lehrkräfte das Schuljahr über an der Schule unterrichten. Wir haben außerdem vor rund eineinhalb Jahren begonnen, dass vor allem Lehrkräfte der Realschule und Gymnasien über eine Zusatzqualifikation an Grund- und Mittelschulen unterrichten können, wo – auch durch die Flüchtlingskrise – mehr Bedarf herrscht. Ich bin jetzt das 23. Jahr im Parlament: Dass die Wartelisten für die Grundschulen leer sind, gab es noch nie.
-Viele Länder haben ihre Ganztagsschulen ausgebaut. Bayern landet bei Vergleichen eher auf den hinteren Rängen. Wie sieht es da mit Investitionen aus?
Bedarfsgerecht und nachfrageorientiert ist meine Devise. Mir ist die Reichweite das Wichtigste. Derzeit bieten rund 80 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen in Bayern eine Form des Ganztagsangebots an. Jährlich stellen wir einen dreistelligen Millionenbetrag und entsprechende Lehrerstunden dafür zur Verfügung. Nicht alle Angebote werden in den Statistiken berücksichtigt.
-2019 endet der bayerische Modellversuch für Islamunterricht in deutscher Sprache. Wie geht’s weiter?
Ich halte das Modell, wie wir es jetzt in Bayern an weit über 300 Schulen anbieten, für einen gangbaren Weg. Wenn es nach mir geht, könnten wir das auch flächendeckend anbieten. Aber was 2019 ist, wird der nächste Landtag entscheiden.
-Was ist die größte Herausforderung 2018 in der Bildungspolitik?
Die digitale Bildung an allen Schulen und das neue neunjährige Gymnasium mit mehr Lernzeit stehen ganz oben auf unserer Agenda. Dazu kommen auch die Weiterentwicklung unseres Schulwesen und die Inklusion.
Interview: Aleksandra Bakmaz