Gefahr von Schneebrettern

Lawinen und Sturm: Skigebiete schließen

von Redaktion

Von Tobias Gmach

München – Der Wind war heftig, die Sichtverhältnisse schlecht. Die Rettungsaktion im Südtiroler Skigebiet Schöneben-Haideralm lief noch, als die Dunkelheit hereinbrach. Erst nach über einer Stunde konnte ein Mädchen (11) aus der Lawine geborgen werden – tot. Ihre Mutter (45) war ebenfalls verschüttet worden. Sie erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus.

Das Unglück vom Mittwoch mit zwei Todesopfern aus Baden-Württemberg zeigt: Gegen die Kraft einer Schneelawine richtet der Mensch wenig aus. Noch tragischer: Mutter und Tochter, die mit sieben weiteren Skitourengehern abseits der Pisten unterwegs waren, hatten das Schneebrett laut Bergwacht wohl selbst losgetreten.

Nicht nur im gerade dieser Tage sehr schneereichen Südtirol ist Vorsicht geboten: Auch für die Bayerischen Alpen stufte der Lawinenwarndienst die Gefahr als „erheblich“ ein. Stufe drei von fünf – „wobei fünf der absolute Katastrophenfall und nicht relevant für Skitourengeher ist, weil man dann gar nicht mehr in die betreffenden Gebiete kommt“, sagt Thomas Feistl, stellvertretender Leiter der Lawinenwarnzentrale. Heißt also: Mit Stufe drei ist überhaupt nicht zu spaßen. „Da muss man sich schon gut im Gelände auskennen und den Lagebericht richtig interpretieren können.“

Feistl hat ihn gestern selbst geschrieben und erklärt: „Oberhalb von 1800 Metern hat der starke Sturm den Schnee weit verfrachtet.“ Von Triebschneeschichten spricht man, wenn der Neuschnee mit dem Altschnee schlecht verbunden ist. Sie lösen sich leicht: „Da reicht schon ein Skifahrer“, betont Feistl. Unter 1800 Meter heißt das Problem Gleitschnee. „Bei Regen wird der Schnee lockerer und kann abrutschen. Dann sind Wege und Straßen bedroht.“

Die Auswirkungen des Sturmtiefs Burglind stoppten den Skitourismus im Garmischer Raum. Das Alpspitzgebiet im Skigebiet Garmisch-Classic war am Mittwoch und Donnerstag wegen der aktuellen Lawinenlage geschlossen, wie Sprecherin Verena Lothes mitteilt. Gestern um 14 Uhr ging dann auch bei der Zugspitzbahn Sicherheit vor: zu starker Wind, keine Fahrten mehr im gesamten Skigebiet.

In Garmisch-Partenkirchen blinken ab Lawinenwarnstufe drei Lichter an den Stationen. Am Brauneck in Lenggries (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hängt der Lageplan am Ausstieg der Bergbahn. Die Betreiber der Wintersportarenen müssen nur ihre Pisten vor Lawinen sichern. Sie müssen für klare Randmarkierungen sorgen. Das Brauneck führt in der dritten Saison das Prädikat „Geprüftes Skigebiet“ – ein Siegel dafür, dass die Gäste merken, wo sie die präparierten Hänge verlassen. An einem sonnigen Wochenende sind auf dem 1500 Meter hohen Berg etwa 15 000 Wintersportler unterwegs. „Unsere Mitarbeiter sprengen Lawinen ab 20 Zentimetern Neuschnee oberhalb von drei Pisten prophylaktisch“, sagt Bergbahn-Geschäftsführer Peter Lorenz. Weil es am Brauneck stark schneite, sollte in der Nacht auf Freitag nochmals gesprengt werden. Das Skigebiet sei größtenteils von Wald umschlossen. „Und wir sind ja nicht so hoch. Da fehlt sich selten was“, so Lorenz. Für die Vorsichtsmaßnahmen habe man sogenannte Sprengbahnen angelegt.

Am Sudelfeld bei Bayrischzell (Landkreis Miesbach) gibt es laut Sprecherin Antonia Asenstorfer derzeit keinen Bereich innerhalb der ausgewiesenen Pisten, die von Lawinen gefährdet sind. „Daher sind keine Sprengmaßnahmen notwendig.“

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