Poing/Berlin – Die Poinger Sternsinger kennen sich aus mit politischer Prominenz: Vor einem Jahr durften sie nach einem gewonnenen Malwettbewerb Horst Seehofer besuchen – und nun reisten sie als Vertreter der Erzdiözese München und Freising nach Berlin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel.
„Sie hat die ganze Zeit gelächelt und war echt natürlich.“ Diesen Eindruck von der Regierungschefin nahm Veronika Paul mit nach Hause. Die 17-Jährige brachte heuer bereits zum zehnten Mal den Segen von Tür zu Tür – und gestern nun ins Kanzleramt. „Als wir im Umkleideraum unsere Gewänder anlegten, ist bei mir die Aufregung gekommen“, erzählt sie.
Damit die Sternsinger überhaupt losziehen können, ist eine Menge Organisation gefragt. Veronika Pauls Mutter Andrea engagiert sich aus voller Überzeugung ehrenamtlich für die große Solidaritätsaktion. „Alles, was für Kinder gemacht wird, finde ich gut“, sagt sie. Die 49-Jährige begleitete ihre Tochter und drei weitere junge Könige in die Hauptstadt. Diesmal musste sie wenig koordinieren: Die Gruppe der Poinger Pfarrgemeinde St. Michael wurde zentral in einer Jugendherberge untergebracht und per Polizeibus ins Kanzleramt kutschiert.
Dort erwartete Merkel insgesamt 108 Sternsinger aus 27 deutschen Bistümern und ihre Begleiter. „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit“, lautete heuer das Motto der Aktion, für die bundesweit rund 300 000 Kinder und Jugendliche unterwegs waren. Die Kanzlerin nutzte die Gelegenheit für einen Aufruf zum stärkeren Kampf gegen ausbeuterische und gefährliche Kinderarbeit. „Mehr Hoffnung und Licht sind dringend nötig“, sagte sie beim Empfang am Montagnachmittag und überreichte den Sternsingern 200 Euro in bar. Für die 17-jährige Veronika Paul ist das Geld bestens angelegt. Ihr Engagement seit nun zehn Jahren begründet sie so: „Uns in Deutschland geht es richtig gut. Wir haben alles. Im Gegensatz zu anderen.“
Dass ihr Besuch bei der Kanzlerin in einer Berliner Klinik enden würde, hätten die Sternsinger nicht gedacht. Die 16-jährige Paula kippte kurz vor dem Foto mit der Kanzlerin um: ein Schwächeanfall. Aber die Sanitäter im Kanzleramt seien sofort zur Stelle gewesen, berichtet Andrea Paul, die auch beeindruckt von Merkels Reaktion war: „Die Kanzlerin ist extra noch mal zu uns gekommen und hat sich erkundigt, wie es Paula geht. Das war total nett“, berichtet Andrea Paul. Der Krankenhausbesuch hinterher war eine reine Vorsichtsmaßnahme. „Wir haben sogar einen Chauffeur aus dem Kanzleramt bekommen.“