Mörnsheim – Dominik Stier hat ein Lieblingsthema. Das Lieblingsthema, das fast alle siebenjährigen Buben haben. Fußball. Dominik gehört zu den leidenschaftlichen Löwen-Fans in Bayern. Genau wie sein Vater und sein kleiner Bruder Lukas. Aber es gab eine Zeit, in der er sich nicht vorstellen konnte, bald wieder in seinem weiß-blauen Trikot über einen Fußballplatz zu rennen.
Es begann, als er noch keine vier war. Mit Nasenbluten. So häufig, dass seine Eltern Yvonne und Bastian Stier mit ihm zum Arzt gingen. „Wir haben nichts Schlimmes erwartet“, erzählt sein Vater. Die Diagnose traf die Familie wie ein Schlag ins Gesicht: Autoimmunthrombozytopenie – eine Krankheit, bei der der Körper unter einem Mangel an Blutplättchen leidet. Dazu kam das sogenannte Myelodysplastische Syndrom (MDS). Es bedeutet, dass bei Dominik jederzeit Leukämie ausbrechen kann. Er brauchte dringend eine Stammzellentransplantation. „Niemand aus unserer Familie war bis zu diesem Tag typisiert“, erzählt Bastian Stier. Immer wieder einmal hatte er Aufrufe der AKB, der Aktion Knochenmarkspende Bayern, gelesen. „Damit auseinandergesetzt haben wir uns erst richtig durch Dominiks Krankheit.“
Zuerst ließ sich die Familie typisieren. Und es sah aus, als ob Dominiks kleiner Bruder Lukas für ihn zum Lebensretter werden könnte. Er ist sein genetischer Zwilling. Doch drei Wochen vor der geplanten Transplantation traf die Familie erneut eine schlimme Diagnose: Auch bei Lukas bestand der Verdacht auf dieselbe Krankheit. „Das war der absolute Tiefpunkt“, erzählt Bastian Stier.
Die Suche ging von vorne los. Und diesmal half der Fußballverein in seiner Gemeinde Mörnsheim im Altmühltal mit einem Benefizturnier. Durch die Aktion ist auch der Bayerische Fußball-Verband (BFV) auf Dominiks Geschichte aufmerksam geworden.
Der Siebenjährige hatte damals großes Glück. Ein geeigneter Spender wurde gefunden, die Transplantation verlief ohne Komplikationen. Es dauerte einige Wochen, bis er sich davon erholt hatte. „Das war eine Zeit, in der unsere Welt stillstand“, sagt sein Vater. Inzwischen ist Dominik ein völlig gesunder Siebenjähriger. Auch seinem vierjährigen Bruder Lukas geht es gut. Beide müssen regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. „Die Angst bei jedem Arztbesuch ist geblieben“, sagt Bastian Stier.
Wie sehr er mit seiner Geschichte anderen kranken Menschen hilft, ahnt Dominik wohl nicht einmal. Aus dem ersten Kontakt, den Bastian Stier damals beim Benefizturnier mit dem Vertreter des Fußball-Verbands hatte, hat sich inzwischen eine große Initiative entwickelt. „Das ist ein richtiger Selbstläufer geworden“, erzählt Stier. BFV und AKB sind seitdem in Kontakt – und haben gemeinsam für die großen geplanten Fußballspiele in Bayern Typisierungsaktionen organisiert (siehe Kasten). Dafür werben sie mit dem siebenjährigen Fußball-Fan Dominik und seinem Kampf zurück ins Leben. Dominiks Eltern unterstützen das. „Für uns ist es eine Gelegenheit, etwas zurückzugeben für die große Unterstützung, die wir bekommen haben“, sagt Bastian Stier. Dominik selbst bekommt nicht viel davon mit. Er verarbeitet die Krankheit auf seine Art, möchte nicht darüber sprechen. Lieber endlich wieder Fußball spielen. Sein Vater sagt: „Er will jetzt einfach nur ein ganz normales Kind sein.“