München – Friedhelm Bechtel arbeitet seit 1989 bei der Berufsfeuerwehr Augsburg. Schon mehrmals ist er bei Einsätzen in Augsburg von Wildfremden angegriffen geworden. „Wir setzen teils unser Leben aufs Spiel, um andere zu retten. Wir wollen noch nicht mal Lob, wir wollen einfach in Ruhe unsere Arbeit machen.“ Immer öfter werden Feuerwehrleute, Sanitäter und Polizisten Opfer von Gewalt. Eine Studie der Uni Bonn sagt: Jeder Helfer erleidet pro Jahr im Schnitt drei Übergriffe. Der Clip Respekt? Ja, Bitte!, den unter anderem die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) initiierte, läuft ab sofort vier Wochen lang in vier bayerischen Städten im Kino (siehe Kasten rechts). Bechtel ist überzeugt von der positiven Wirkung des Films. „Mir liegt es am Herzen, die Bevölkerung damit wachzurütteln und zu sensibilisieren“, sagt er.
Schon häufiger wurde der Augsburger im Dienst angegriffen. So wäre er im vergangenen Frühjahr bei einem Einsatz in Augsburg beinahe von einem ungeduldigen Autofahrer angefahren worden. „Wir wurden zu einem Feuer in einem Hotel gerufen, dort war Essen angebrannt“, erzählt er. Fünf Feuerwehrfahrzeuge rückten an und standen auf der Straße. Bechtel koordinierte den Einsatz, war mit Jacke und Helm klar als Feuerwehrmann zu erkennen. „Plötzlich sah ich, wie ein Autofahrer Gas gab und direkt auf mich zuraste.“ Mit einem beherzten Sprung rettete er sich zur Seite. „Sonst hätte er mich sicher erwischt.“ Dabei glitt Bechtel aus und stürzte. „Wir waren alle so erschrocken, dass sich niemand das Kennzeichen gemerkt hat.“ So wurde der Autofahrer nie ermittelt. Bei einem anderen Brand an Silvester vergangenes Jahr wurden Bechtel und ein Kollege von einem Anwohner die Treppe hinuntergeschubst und gewürgt. „Wir wollten ihm nur etwas Gutes tun“, sagt der Augsburger. Denn in der Wohnung nebenan hatte es gebrannt, die Feuerwehrmänner wollten auch die Wohnung des späteren Angreifers wegen einer möglichen Verrauchung kontrollieren. „Der Mann war gut trainiert, rannte uns mit einem Kampfhund hinterher und griff uns an.“ Es stellte sich heraus, dass der Mann offenbar Drogen genommen hatte und womöglich deshalb so aggressiv war.
Jürgen Haller-Hörmann von und zu Guttenberg von der DFeuG erklärt die Aggression gegen Einsatzkräfte unter anderem damit, dass einige Leute sich gestresst fühlten, wenn ein Einsatz sie in ihrem Alltag stört. „Sie wachen auf, wenn wir nachts mit Sirene fahren oder kommen nicht schnell genug mit ihrem Auto vorwärts, wenn wir eine Straße absperren. Die Ungeduld ist in den letzten Jahren schlimmer geworden“, beklagt er.
Friedhelm Bechtel hat trotz der negativen Erfahrungen noch nie ans Aufhören gedacht. „Natürlich macht man sich nach solchen Erlebnissen Gedanken. Während des Einsatzes funktioniert man, danach kommt es manchmal hoch.“ Wichtig seien daher vor allem die Nachbesprechungen nach belastenden Einsätzen. „Feuerwehrmann ist mein Traumjob. Ich mache weiter, bis es wegen des Alters einfach nicht mehr geht.“