München – Ein kräftiges Plus bei den Passagieren, nur bescheidene Zahlen beim Flug-Wachstum – die Jahresbilanz des Flughafens fällt gemischt aus. Im Jahr 2017 sind insgesamt 44,6 Millionen Fluggäste am Airport gelandet oder gestartet. Das sind 2,3 Millionen oder 5,5 Prozent mehr als noch 2016. Allerdings bleibt der Anstieg bei den Flügen hinter den Erwartungen zurück. Prognostiziert waren vier Prozent, der Flughafen nennt nun wie schon zuvor die Deutsche Flugsicherung (wir berichteten) 2,6 Prozent Plus. In absoluten Zahlen sind das 404 500 Flüge, 10 000 mehr als im Jahr zuvor. Von seiner Höchstmarke ist der Flughafen damit weiterhin ein gutes Stück entfernt: 2007 und 2008 gab es jeweils rund 432 000 Flüge.
Ein Grund für die Diskrepanz zwischen dem größeren Passagierwachstum und dem kleineren Plus bei den Flügen ist die höhere Auslastung der Maschinen. Im Schnitt waren drei von vier Sitzen in einem Flugzeug belegt. Die Sitzplatzauslastung von 76,5 Prozent ist ein neuer Spitzenwert.
Die neuen Zahlen dürften der Startbahn-Debatte keinen großen Auftrieb verleihen. Der Abgeordnete Christian Magerl (Grüne) hatte schon vergangene Woche von „deutlichen Abstrichen“ gesprochen, die der Flughafen hinnehmen müsse. Er kritisierte „propagandistischen Jubelmeldungen“ des Flughafens. Der Abgeordnete der Freien Wähler, Benno Zierer, erinnert zudem daran, dass der Flughafen 2016 einige Streikausfälle hinnehmen musste – über 2600 Flüge wurden gestrichen. Das berücksichtigt, fällt das Flug-Wachstum 2017 noch bescheidener aus.
Der designierte Ministerpräsident Markus Söder wollte sich gestern nicht äußern. Aber bisher gibt es kein Anzeichen, dass er von der Startbahn abrückt. Nachdenklich könnte ihn allerdings stimmen, dass der Flughafen für 2018 von allenfalls leichten Zugewinnen bei den Flugzahlen ausgeht. Die Zahl der Passagiere solle hingegen „kräftig“ wachsen.
Flughafenchef Michael Kerkloh nennt das Gesamtergebnis „angesichts der aktuellen Turbulenzen in der Airlinebranche“ ausgezeichnet. „Ohne die von der Fluggesellschaft Airberlin vollzogene Reduzierung ihres Flugangebotes in der Sommerflugplanperiode und ihre anschließende Insolvenz“ wäre der Zuwachs „deutlich höher ausgefallen“, heißt es. Insgesamt liegt der Flughafen mit seinen Zahlen im Trend – der Flughafen Frankfurt meldet für 2017 mit 64,5 Millionen Passagieren (plus 6,1 Prozent) und 475 500 Starts und Landungen (plus 2,7 Prozent) sogar noch etwas höhere Wachstumszahlen. Das Münchner Passagierwachstum war im Interkontinentalverkehr mit sieben Prozent (7,3 Millionen Fluggäste) am höchsten. Bei den Europaflügen wuchs die Zahl der Passagiere um 6,5 Prozent (27,4 Millionen), im innerdeutschen Verkehr um gut zwei Prozent (9,8 Millionen, davon zwei Millionen im Berlin-Verkehr).
Die neue ICE-Strecke München–Berlin bringe trotz anderweitiger Behauptungen nach ersten Beobachtungen „keine signifikanten Einbrüche“ im Luftverkehr, erklärte ein Sprecher. Seit Anfang Januar fliegt mit Easyjet ein Lufthansa-Konkurrent auf der Strecke München–Berlin. Wöchentlich 100 Flüge sind eingeplant. dirk walter