Landwirtschaft

Kurswechsel bei Glyphosat

von Redaktion

von Dominik Göttler

München – Seit gestern tummelt sich das Who’s who der Landwirtschaftsbranche auf der Grünen Woche in Berlin. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) bezeichnete die weltgrößte Landwirtschaftsmesse beim traditionellen Eröffnungsrundgang als einen „gedeckten Tisch“ und betonte die Bedeutung der Landwirtschaft als Ernährer für die ganze Welt. Eine für Bayerns Bauern nicht unmaßgebliche Nachricht kam aber bereits am Vortag aus dem Kloster Banz. Dort kündigte der designierte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen Glyphosat-Ausstieg in Bayern an – und zwar schneller als in Berlin.

Wie dieser bayerische Sonderweg aussehen soll, muss nun Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner erarbeiten. Im Gespräch mit unserer Zeitung kündigte er an, gemeinsam mit den Landwirten eine Lösung suchen zu wollen. Ein grundsätzliches Verbot sei bislang noch nicht geplant. „Ich schließe das aber nicht aus“, sagte Brunner. Das müsse ebenso im Kabinett besprochen werden wie der konkrete Zeitplan. In Bayern haben mit den Genossenschaften Goldsteig und Berchtesgadener Land bereits zwei Molkereien ihren Lieferanten den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln untersagt. Brunner glaubt, dass weitere folgen werden. Das zeige, dass die Akzeptanz für den Einsatz des Mittels schlicht nicht mehr gegeben sei.

Die private Nutzung solle in jedem Fall verboten werden. „An Haus und Hof wird das Mittel oft überdosiert“, sagt Brunner. Und auch auf öffentlichen Flächen – etwa auf Friedhöfen – soll Glyphosat künftig nicht mehr eingesetzt werden. Das könnte auch Folgen für die Deutsche Bahn haben. Denn dort werden glyphosathaltige Mittel genutzt, um das Schienennetz vom Unkraut zu befreien. Im vergangenen Jahr wurden dafür deutschlandweit 70 Tonnen an Herbiziden eingesetzt. Jede Bahnstrecke wird einmal pro Jahr behandelt. Diese Vegetationskontrolle sei unverzichtbar für einen sicheren Bahnbetrieb, sagt ein Sprecher. Derzeit gebe es weder thermische noch mechanische Verfahren, die ähnlich wirksam sind. Doch Brunner sagt: „Die Bahn muss sich eine Alternative überlegen.“

Genau wie die Experten der Landesanstalten für Landwirtschaft. Denn ab Herbst soll auf allen staatlichen Versuchsgütern auf Glyphosat verzichtet werden, kündigt Brunner an – mit dem Ziel, Alternativen für die Bauern zu entwickeln. Das wird auch Aufgabe seines Nachfolgers werden, wenn Brunner im Herbst sein Amt aufgibt.

Beim Bayerischen Bauernverband wird die aktuelle politische Debatte mit Skepsis beobachtet. „Die Entscheidung über einen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln muss Sache der Zulassungsbehörden bleiben“, sagt eine Sprecherin. Die Diskussion darüber dürfe nicht politisch und ideologisch geführt werden. Als Notwerkzeug sei der Einsatz von Glyphosat nach wie vor wichtig.

Beim Bund Naturschutz wurde Söders Ankündigung grundsätzlich positiv aufgefasst. Allerdings äußert der Landesbeauftragte Richard Mergner Zweifel an der Aussage, dass Bayern den Ausstieg schneller als der Bund umsetzen wolle. „Das ist schon allein deswegen fragwürdig, weil in Berlin ja noch gar kein Datum genannt wurde.“ Grundsätzlich müsse Söder nun einen klaren Fahrplan vorlegen – und zeigen, dass es nicht nur bei einer Ankündigung bleibe.

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