Freising – Mürbe hat ihn der Ärger um die gestoppten Museumspläne auf dem Freisinger Domberg gemacht. Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums, winkt ab: „Ich warte einfach nur das Ergebnis aus dem Stadtrat ab. Ansonsten habe ich genug andere Projekte, die wir heuer vorantreiben müssen.“ Nicht verhehlen aber möchte er trotzdem „eine schwierige Situation“.
Diese „schwierige Situation“ begann am 27. Oktober 2017 mit einem Paukenschlag: Mit 20 zu 17 Stimmen kippte seinerzeit der Freisinger Stadtrat den Bauantrag des Ordinariats auf Umbau und Sanierung des Diözesanmuseums (mit rund 40 Millionen Euro veranschlagt). Die kompletten Investitionen auf dem Freisinger Domberg mit dem Umbau des Bildungszentrums werden sogar über 100 Millionen Euro betragen. Jetzt hängt alles aber an einem Streit um einen achteckigen Turm.
Die Mehrheit der Stadträte glaubte nämlich nicht daran, dass das Oktogon, ein achteckiger Erkeranbau von 1876, zum Anlegen eines Rettungs- und Lieferwegs abgerissen werden müsse, wie das die seit zweieinhalb Jahren bekannten und diskutierten Pläne vorsehen. Sie werteten es im Gegenteil als stadtbildprägend und damit erhaltenswert ein. Das Gremium setzte sich in Oktober mit seinem Veto über die Entscheidung des Landesamts für Denkmalpflege hinweg, das den als Toilettenanbau genutzten Turm als „entbehrlich“ einstufte.
Diesem Donnerschlag im Stadtrat war Mitte Oktober schon der Besuch einer Landtagsfraktion mit Sepp Dürr (Grüne) und Thomas Goppel (CSU) an der Spitze vorausgegangen: Der Freisinger Stadtheimatpfleger Norbert Zanker hatte nämlich per Petition das Thema in den bayerischen Landtag getragen, unterstützt vom Freisinger MdL Benno Zierer (Freie Wähler). Im Wissenschaftsausschuss des Landtags empfahlen die Christsozialen den Abriss des Erkers, während Freie Wähler, SPD und Grüne den Anbau erhalten wollten.
Danach kam der generelle Stopp aus dem Erzbischöflichen Ordinariat: „Wir überprüfen die komplette Investition auf dem Domberg“, reagierte die Diözese über Pressesprecher Bernhard Kellner auf den Stadtratsbeschluss. Denn neben dem Museum steht auch die Umgestaltung des Bildungszentrums der Erzdiözese zum offenen Forum der Erwachsenenbildung an – ein Mammutprojekt. Man überlege, so hieß es durchaus verärgert, „ob angesichts der Umstände Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro in Freising überhaupt noch sinnvoll sind“. Seither wird versucht, die Wogen zu glätten. Ende 2017 beanstandete Freisings OB Tobias Eschenbacher den Beschluss des Stadtrats und schickte den Antrag der Rechtsaufsicht ins Landratsamt. Doch die war wegen neuer Rechtsverordnungen nicht zuständig und so kam die Causa zur Überprüfung zur Regierung von Oberbayern. „Und die empfahl, das ganze Thema noch einmal eingehend zu diskutieren und zu begutachten“, bestätigte Tobias Eschenbacher.
Das geschieht jetzt in einer Sondersitzung am 29. Januar. „Die Planung wird nochmals in allen Details beleuchtet“, sagt der Rathaus-Chef. „Diese Sitzung soll ein klares Signal der Stadt zum Domberg und dessen Fortentwicklung werden.“ Die Diözese will, dass die Kommune mit voller Überzeugung hinter dem Konzept steht: „Da soll nichts Erzwungenes die Basis bilden.“ Das wurde schon vor Weihnachten bei einem Ortstermin mit den Fraktionsvorsitzenden im Ordinariat deutlich gemacht. Freilich: Ob sich die Oktogon-Befürworter umstimmen lassen, vermag Eschenbacher noch nicht zu sagen. „Ich glaube aber, wenn die Planung in der Sondersitzung noch einmal im Gesamtzusammenhang gezeigt wird, dann wird jedem die Tragweite des Projekts deutlich werden.“ Denn hier stehe nicht ein Museumsbau zur Disposition: „Hier geht es um einen auch in der Zukunft lebendigen Domberg.“ Grünen-Fraktionssprecher Sebastian Habermeyer weiß bereits von einigen Stadträten aus den eigenen Reihen, die wohl nun für den Abriss stimmen werden.
Für Museumsdirektor Christoph Kürzeder indes geht der Museumsalltag weiter. In diesem Jahr stehen große Ausstellungen im Kloster Beuerberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) genauso wie im ehemaligen Ursulinenkloster in Landshut auf der Agenda. Zudem gibt es eine Erasmus-Grasser-Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum (ab 19. April), in der eine überlebensgroße Petrusstatue aus dem Alten Peter in München gezeigt wird. Und als Höhepunkt nennt er die Präsentation der Geschichte einer berühmten Marien-Ikone im Museum Correr am Markusplatz in Venedig (das Bild wurde der Legende nach vom Evangelisten Markus geschaffen): „Sie sehen also, wir haben das Jahr über genug zu tun.“