Landtag intern
Am Sonntag wird die SPD zwei Entscheidungen treffen. Auf eine davon, die Sache mit der GroKo, wartet die halbe Welt mit Schnappatmung. Von der anderen hat bisher kaum jemand was mitbekommen. Ist ja auch nicht ganz so wichtig: In Penzberg treffen sich die Sozialdemokraten, um die Landtagsliste für Oberbayern zu reihen. Wer wie weit vorne kandidieren darf, ist ein bisschen eine Macht-, vor allem aber eine Ego-Frage.
Ganz untypisch für die SPD, die sich zuletzt bei Personal- und Listenfragen leidenschaftlich beharkte: Bisher zeichnet sich kaum Streit ab. Das hat mehrere Gründe. Im Wahlrecht für den Landtag sind die Listenplätze nicht entscheidend, wichtiger sind die Stimmen, die Kandidaten in ihrem Stimmkreis holen. Das ist deutlich demokratischer als die starre Liste für Bundestagswahlen. Wer einen miesen Platz hat, aber daheim fulminant Wahlkampf macht, kann am Ende im Landtag landen.
Das Spitzenduo ist eh klar. Nichts führt an der Landesvorsitzenden Natascha Kohnen (50, München-Land) vorbei, die seit dem Nockherberg auch einem Millionenpublikum bekannt ist. Ihr folgt Fraktionschef Markus Rinderspacher (48, München). Platz drei könnte dann an die Ebersbergerin Doris Rauscher (51) gehen. Im Wechsel Mann/Frau, zwei Oberbayern/ein Münchner soll es weitergehen. Bald könnte Isabell Zacharias (52) aus München folgen, die sich neulich einer Kampfabstimmung im Stimmkreis erwehren musste, außerdem Florian von Brunn (49).
Der Rauswurf droht wohl keinem amtierenden Abgeordneten. Mehrere hören allerdings freiwillig auf. Hans-Ulrich Pfaffmann (62), der früher die Stadt-SPD führte und Kommunalwahlkämpfe organisierte, weicht. „Ich bin ein Fossil geworden“, sagte er mal, was etwas übertrieben ist. Auch Peter Paul Gantzer, im 80. Lebens- und 40. Landtagsjahr, verlässt mit seinem deutlich jüngeren Porsche das Parlament. Das wird aber erst im Herbst sein. Bis dahin hat sich hoffentlich auch mal der Staub des GroKo-Votums gelegt. Christian Deutschländer