Zwei eiskalte Tage ohne Heizung

von Redaktion

von thomas zimmerly

Dachau – Bei den eisigen Temperaturen dieser Tage geht kaum jemand vor die Haustür. Die meisten bleiben daheim und wärmen sich an der Heizung. Dumm nur, wenn die nicht funktioniert. Schlimm ist es, wenn eine ganze Wohnanlage im wahrsten Sinne des Wortes kaltgestellt wird, nur weil die Hausverwaltungsfirma vergessen hat, Heizöl zu bestellen. Die Eigentümer und Mieter von rund 60 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern in der Friedrich-Ebert-Straße in Dachau – darunter zahlreiche ältere Menschen und Kinder – drehten von Dienstagmittag bis Mittwochabend zähneklappernd vergeblich an Heizungs- und Wasserhähnen. Dick eingepackt in Winterkleidung verbrachten sie zwei nicht enden wollende Tage in eiskalten Zimmern.

So wie Alexandra Bayerl, die mit Ehemann Helmut und Tochter Tamara (10) in ihrer Eigentumswohnung im Haus Nummer 4 wohnt. „Das ist der Wahnsinn“, schimpft sie. In ihrem Viertel würden Heizung und Warmwasser öfter nicht funktionieren, berichtet sie. Doch gerade jetzt, während der großen Kältewelle, sei dies ein Unding, zumal die Heizung ja nicht kaputt ist. Das wussten die Bewohner allerdings zunächst nicht. Helmut Bayerl versuchte mehrfach, das für die Wohnanlage zuständige Hausverwaltungsunternehmen Vonovia zu erreichen. „Doch da ging keiner ans Telefon – wie so oft, wenn wir anrufen“, sagt der 52-Jährige. In seiner Not rief der Familienvater eine Heizungsfirma an, und die hatte schließlich Glück. „Die Firma hat jemanden bei der Vonovia erreicht. Während des Gesprächs hat sich die Vonovia dann verplappert und zugegeben, dass sie kein Heizöl bestellt hat“, berichtet Bayerl.

Die Vonovia ist das größte Wohnungsunternehmen Deutschlands, im Dax notiert und für 350 000 Wohnungen in der Bundesrepublik verantwortlich. Alleine in Dachau betreut das Unternehmen über sein Büro in München 183 Einheiten. Trotz mehrfacher Nachfrage war bei der Vonovia niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. „Die Hausverwaltung muss es auf dem Schirm haben, dass genügend Heizöl vorhanden ist“, sagt Armin Riedl, der Vorsitzende des Vereins Haus- und Grundeigentümer. Doch der Rechtsanwalt macht wenig Hoffnung, dass Familie Bayerl, die im Jahr einen vierstelligen Betrag an Verwaltungskosten an die Vonovia überweist, gegen den Branchenriesen vorgehen könnte: „Bei Eigentümern ist ein Schaden schwer zu beziffern. Die Familie müsste genau nachweisen, inwiefern ihr Wohl beeinflusst wurde.“

Anders liegt die Sache bei Renate Gimbel. Sie ist Mieterin einer Wohnung in Nummer 5 und könnte laut Rechtsanwalt Riedl die Miete mindern. „Ich bin gleich mit mehreren Wärmflaschen ins Bett gegangen“, berichtet Gimbel. Sie sieht die Schuld jedoch nicht bei ihrem Vermieter, sondern bei der Vonovia. „Es ist eine Unverschämtheit, dass die sich nicht um uns gekümmert hat, obwohl sie wusste, dass das Heizöl fehlt.“

Andreas Kraus, ebenfalls Bewohner von Nummer 5, berichtet, dass es wegen der Verleugnungstaktik der Vonovia im Oktober 2017 eine außerordentliche Eigentümerversammlung gegeben habe, bei der über eine Trennung von dem Unternehmen diskutiert worden sei. Kraus zog während des Heizungs-Schlamassels mit seiner Frau und dem sieben Monate alten Sohn zu seinen Eltern. Familie Bayerl fand an anderer Stelle Unterschlupf. „Wir sind ins Dachauer Hallenbad gegangen. Da konnten wir warm duschen“, sagt Alexandra Bayerl. Die Familie überlegt nun, ob sie die drei Eintrittskarten an die Vonovia schicken soll. Vielleicht bezahlt das Dax-Unternehmen wenigstens diese 11,25 Euro.

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