Hallbergmoos – Drei junge Bewohner einer Jugendsozialeinrichtung haben am Montagabend ein Rentner-Ehepaar in dessen Wohnung brutal überfallen und ausgeraubt. Wie die Polizei gestern mitteilte, sollen die jungen Männer im Alter von 13, 17 und 21 Jahren aus dem Jugendwerk Birkeneck in Hallbergmoos (Kreis Freising) mit Sturmhauben und Tüchern maskiert an der Haustür des nahe gelegenen Wohnhauses geklingelt haben. Als der 76-jährige Bewohner öffnete, stürmten sie ins Haus, überrumpelten den Senior, sodass dieser mit dem Kopf gegen die Wand prallte. Bewaffnet mit einem Messer und einem Schraubenzieher forderten die jungen Männer – allesamt deutsche Staatsangehörige – Geld. Auch die 68-jährige Ehefrau im Wohnzimmer bedrohten die Räuber. Mit einer Beute von rund 700 Euro flüchteten die Täter – aber nicht, ohne noch mal vor einem Anruf bei der Polizei zu warnen.
Gegen 21.15 Uhr ging dennoch der Notruf bei der Polizei ein. Am Apparat war der 76-Jährige, der sich bei dem Raub eine Platzwunde zugezogen und das linke Armgelenk gebrochen hatte. Sofort wurde eine Fahndung eingeleitet und eine Freisinger Streife hatte Glück: Gegen 21.30 Uhr fiel den Beamten ein Trio auf der Gewerbestraße auf, die zu der Jugendeinrichtung führt. Bei der Kontrolle wurde schnell klar, dass es sich um die Täter handeln muss. „Sie hatten noch Beute und Tatwaffe bei sich“, sagt Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.
Gestern wurde gegen die beiden älteren Beschuldigten Haftbefehl erlassen. Tatverdacht: schwerer Raub. Sie schweigen bislang zu den Vorwürfen. Der 13-Jährige ist strafunmündig, er wurde wieder in die Betreuung der Jugendeinrichtung übergeben. Alle drei Beschuldigten sind wegen Drogendelikten polizeibekannt – der 21-Jährige ist wegen Eigentumsdelikten aufgefallen.
Vorfälle wegen Drogenkonsums oder Ruhestörungen sind im Umfeld der Einrichtung nicht selten – aber an einen derart massiven Fall können sich selbst alteingesessene Hallbergmooser nicht erinnern. „Das wird das Ehepaar psychisch noch lange belasten“, sagt Polizeisprecher Kammerer.
Bestürzt zeigte sich Heimleiter Otto Schittler. So bald wie möglich wolle man sich bei den Opfern melden. Die Pädagogen würden mit den anderen Jugendlichen in Birkeneck – dort sind etwa 120 Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren in Obhut – über die Tat sprechen. „Wir spielen so etwas nicht herunter“, sagte Schittler. Das Jugendwerk sei insgesamt gut integriert in die Gemeinde. Birkeneck leiste vielfältige Jugendhilfeangebote. „Dass ein Jugendlicher bei uns ist, heißt nicht grundsätzlich, dass er straffällig ist.“ Das Jugendheim Birkeneck ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die 1925 von Herz-Jesu-Missionaren gegründet worden ist, um in Not geratenen jungen Menschen zu helfen. dg/cm