Jungbauern präsentieren ihren Beruf

Landluft schnuppern in der Fußgängerzone

von Redaktion

von Dominik Göttler

München – Die kleinen Joghurt-Becher wurden gerade erst drapiert, da fährt eine kräftige Windböe durch die Münchner Fußgängerzone und der Joghurt zieht lange weiße Streifen auf das Pflaster. Ein Sinnbild, könnte man meinen – selbst bei der Präsentation des eigenen Berufs in der Landeshauptstadt hat der landwirtschaftliche Nachwuchs mit Gegenwind zu kämpfen. Aber so wild war es dann doch nicht: Joghurt-Nachschub gab es genug – und die gute Laune ließen sich die jungen Landwirte von ein paar Windböen nicht verderben.

Von einem gigantischen Plakatwürfel und zwei Bulldogs wurden die Fußgänger in der Münchner Innenstadt gestern überrascht. Einige Kursteilnehmer haben sich ein Schild mit der Aufschrift „Bauer sucht dich!“ umgeschnallt und sprechen die Passanten an. Das Ziel: Mit den Münchnern ins Gespräch kommen und sie über die moderne Landwirtschaft aufklären. „Unsere Bevölkerung verstädtert immer mehr, da fehlt der Bezug zur Landwirtschaft“, sagt Thomas Beck. Der 20-jährige Landshuter ist einer von 61 Teilnehmern des Herrschinger Grundkurses. Dabei handelt es sich um eine zehnwöchige Weiterbildung am Haus der Bayerischen Landwirtschaft, in der junge Menschen aus der Branche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit gestärkt werden sollen. Ein Höhepunkt ist die jährliche Aktion in der Landeshauptstadt – üblicherweise am Stachus, in diesem Jahr aber wegen Bauarbeiten mitten in der Fußgängerzone.

Hier haben die Ackerbauern, Tierhalter, Energiewirte und Direktvermarkter im Alter von 18 bis 29 Jahren ihre Stände aufgebaut. Sie informieren Laien über den Unterschied zwischen Stroh und Heu und Profis über die genaue Zusammensetzung ihres Schweinefutters und darüber, wie viele Eier ein Huhn im Jahr legt – 290 nämlich. Japanische Touristen probieren sich durch die Wurst- und Käseschmankerl des Hauswirtschafts-Teams. Eine Münchnerin scheitert beim Melkversuch am Gummieuter. Ein älterer Herr lässt sich erklären, wie mithilfe von Drohnen den Rehkitzen vor der Mahd das Leben gerettet wird. Und natürlich wird mit dem ein oder anderen Passanten auch die Glyphosat-Diskussion geführt.

„Wir wollen unsere Gesichter zeigen, damit der Verbraucher wieder ein persönliches Bild von der Landwirtschaft bekommt“, sagt Thomas Beck. „Wir wollen Vorurteile widerlegen und zeigen, dass wir nachhaltig und mit Leidenschaft produzieren.“ Gegen diese Leidenschaft braucht es schon mehr als eine windige Böe.

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