München – Immer wieder muss sich Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) die Frage stellen lassen: Warum bringt es sein Ministerium nicht fertig, so viele Lehrer auszubilden, wie an Bayerns Schulen gebraucht werden? Denn während an den Grundschulen händeringend nach Personal gesucht wird, bekam an den Realschulen in diesem Jahr nur jeder sechste Bewerber eine staatliche Stelle. Am Gymnasium sieht es für Referendare mit bestimmten Fächerkombinationen ähnlich düster aus. Auf Initiative der Freien Wähler berichtete die Staatsregierung nun im Bildungsausschuss darüber, wie der Personalbedarf errechnet wird – und mit welchen Unwägbarkeiten man dabei konfrontiert sei.
Die Kernaussage des Berichts: Trotz aller statistischen Grundlagen, die für die Personalprognosen berücksichtigt werden, hole die aktuelle Entwicklung die Modellrechnungen immer wieder ein. „Wir haben schlicht keine Glaskugel“, sagte ein Ministeriums-Mitarbeiter gestern im Landtag. So ist die Schülergesamtzahl entgegen früherer Prognosen im vergangenen Schuljahr erstmals wieder angewachsen – wegen steigender Geburtenzahlen und außergewöhnlich starkem Zuzug.
Michael Piazolo (Freie Wähler) stellte fest: „Der Bericht zeigt deutlich, dass der Traum von der demografischen Rendite, auf die man sich so lange zurückgezogen hatte, für Bayern tatsächlich ausgeträumt ist.“ In den kommenden Jahren werde es zu deutlichen Schülerzuwächsen in ganz Bayern kommen. „Umso wichtiger ist eine professionelle Lehrerpersonalplanung.“ Wenn nun seitens des Ministeriums mit Blick auf die eigenen Zahlen auf die Glaskugel verwiesen werde, „dann ist das eine Bankrotterklärung“, schimpfte Piazolo.
Der Abgeordnete kritisierte zudem, dass die Zahlen zum Unterrichtsausfall schöngeredet würden. „Wenn das Ministerium Stunden, in denen die Schüler keinen regulären Fachunterricht erhalten, lediglich als ‚gefühlten Unterrichtsausfall‘ bezeichnet, ist das unseriös.“
Der Ausschussvorsitzende Martin Güll (SPD) bemängelte, dass die Personalplanung des Ministeriums zu sehr auf den ersten Schultag hin ausgerichtet sei. Während des Schuljahres kämen die Schulen mit dem zur Verfügung gestellten Personal aber oft nicht aus. „Darunter leiden dann Zusatzangebote wie Wahlfächer oder die Differenzierung“, so Güll. Der Mitarbeiter des Ministeriums konterte mit dem Argument, dass die Schülerzahl in Bayern seit 2004 um zehn Prozent zurückgegangen sei, während beim Lehrerpersonal ein Plus von sieben Prozent stehe. „Wir haben also eine stetige Verbesserung.“
Auch der Bayerische Realschullehrerverband äußerte sich nach der Debatte im Landtag. Landesvorsitzender Jürgen Böhm forderte: „Besser jetzt handeln und möglichst viele der vorhandenen gut ausgebildeten und hoch motivierten Realschullehrkräfte zum kommenden Schuljahr einstellen, als später mühsam nachsteuern zu müssen.“ Junge Menschen müssten aktuell wieder zum Realschullehramtsstudium ermuntert werden, um künftig Engpässe zu vermeiden.