Rom/Regensburg – Seit Montag beraten sie über die Zukunft der Kirche und ihren Glauben, diskutieren über die Rolle der Frauen in der Kirche, Homosexualität, aber auch Liturgie und Berufung. Über 300 junge Menschen aus aller Welt bereiten in Rom im Auftrag vom Papst die Jugendsynode im Oktober vor. Einer von ihnen, der 27-jährige Regensburger Thomas Andonie, ist als Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend dabei – und berichtet von lebhaften Diskussionen vor allem in den 26 Kleingruppen. „Das wird die große Schwierigkeit sein: Alles unter einen Nenner zu bringen.“
Beim heißen Thema Rolle der Frau in der Kirche etwa merke man, dass es einen ausgeprägten Wunsch gebe, hier etwas zu tun. Aber: es werde auch unter der Jugend heftig gerungen, was Frau in der Kirche darf oder soll. „Wir im BDKJ sind ja da sehr progressiv, wollen den Diakonat der Frau und die Diskussion über den Zugang zu Weiheämtern – und bei anderen geht es um die Frage, Frauen überhaupt in Führungspositionen zuzulassen.“ Es sei spannend, wie das zusammengeführt werden könne.
Beeindruckt zeigt sich Andonie, dass sehr wertschätzend diskutiert und die Unterschiedlichkeit der Positionen respektiert werde. Inzwischen liegt ein erster siebenseitiger Entwurf über die Wünsche und Erfahrungen der Jugendlichen vor, der nun noch einmal in Arbeitsgruppen und im Plenum diskutiert und überarbeitet wird, bevor er nach der Schlussabstimmung am Sonntag dem Papst überreicht wird.
Was für ein Papier am Ende herauskommt, das kann Andonie noch gar nicht sagen – er hofft, dass es die Perspektiven und Wünsche der Jugend gut zusammenfasst, „damit es auch die Realität abdeckt und nicht nur schönredet. Papst Franziskus hat von uns gefordert, wir sollen ohne Filter sprechen“. Ein Ansporn für Andonie, der für die 660 000 Jugendlichen des BDKJ spricht. „Er hat uns aufgerufen: Seid mutig und traut Euch was. Daher hoffe ich, dass wir auch was zusammenkriegen“, sagt Andonie. Auch der Papst habe die Rolle der Frau in der Kirche angesprochen oder die unsäglichen Auswirkungen von Unterdrückung und Missbrauch. Kirche ist nicht fehlerfrei, kann aber trotzdem Heimat sein, sagt der Regensburger. In der deutschen Kirche merke man aber, dass viele Jugendliche die Kirche nicht mehr als Ort wahrnehmen, in dem sie Glauben finden können. Daher seien die Jugendverbände so wichtig, in denen junge Menschen Heimat finden können.
Der 27-Jährige stellt in Rom einen großen Wunsch der jungen Menschen fest, in der Kirche mitzubestimmen. „Junge Menschen können für sich selber sprechen, und das fordern wir in der Kirche ein.“ Das müsse auch institutionalisiert werden. „Ich glaube, dass sich das im Abschlusspapier wiederfinden wird.“ Kirche müsse jungen Menschen einen Freiraum geben, in dem sie selbst wirken können. Und sie solle allen Menschen den Zugang ermöglichen – nicht nur einer bestimmten Klientel. Es müsse eine Vielfalt der Wege zum Glauben möglich sein – mit einer richtigen Diskussionskultur. „Das müssen wir erst einmal lernen in der Kirche: Miteinander zu sprechen und unterschiedliche Meinungen zu ertragen – ohne dem anderen vorzuschreiben, was katholisch ist.“
Der BDKJ-Vorsitzende wünscht sich, dass das Abschlusspapier am Sonntag nicht nur dem Papst übergeben wird, sondern auch als Grundlage für die Synode im Herbst dient. Der große Aufwand für die Vorsynode sei richtig und zeige, dass die Kirche die Zeichen der Zeit erkannt habe. Das dürfe für die Bischöfe keine Randnotiz werden. „Es ist ganz wichtig, dass die Bischöfe nicht über, sondern mit den Jugendlichen sprechen.“ Die Jugend erwartet, dass genauso viele Jugendliche wie Bischöfe an der Synode im Oktober teilnehmen. Bislang sind nur 20 Jugendliche mit Rede-, aber ohne Stimmrecht vorgesehen. Die Jugend muss noch Überzeugungsarbeit leisten.