Acht Treffer für die Matthäus-Kirche

von Redaktion

Beim Kampf um die letzte Räterepublik ab Ende April 1919 setzten beide Lager auch schwere Geschütze ein. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde der Turm der evangelischen Kirche St. Matthäus am Sendlinger-Tor-Platz in München, wie dieses von Dr. med. Ernst Engelmayr aus Herrsching eingesandte Foto beweist.

Er fand die Bildpostkarte neben anderen Fotos im Nachlass seines Großvaters, der damals in der Kaserne in der Türkenstraße diente.

„Die Kämpfe rund um die Kirche sind in mehreren zeitgenössischen, allerdings tendenziösen Berichten dokumentiert“, sagt der Münchner Historiker Paul Hoser, der für unsere Zeitung die eingesandten Dokumente sichtete. Nach dem Bericht von Josef Karl („Die Schreckensherrschaft in München und Spartakus im bayerischen Oberland“, München 1920) wies der Turm am Ende etwa acht Treffer auf – auf der Seite zum Stachus hin war sogar das Zifferblatt der Uhr durchschlagen.

Nach dem Buch „Die Niederwerfung der Räteherrschaft in Bayern 1919“ (Berlin 1939) war der Sendlinger-Tor-Platz in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 1919 von Regierungstruppen angegriffen worden. Dort hatten sich Soldaten der Roten Armee verschanzt, die auf dem Platz auch einen Minenwerfer aufgebaut hatten. Die Regierungstruppen setzten vier Maschinengewehre sowie Handgranatentrupps ein – um zwei Uhr morgens hatten sie den Platz unter Kontrolle.

Die Kirche wurde übrigens 1938 auf Geheiß der Nationalsozialisten abgerissen – und nach dem Krieg in veränderter Form wieder aufgebaut.  dw

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