Ein ganzes Dorf im Kampf gegen die Revolution

von Redaktion

Alle waren sie dabei. Der Mesner, der Wirt, der Onkel Sebastian, der Stahuber Wast – das Foto von der Bürgerwehr aus Krügling, das uns Johann Stahuber aus Feldkirchen-Westerham zuschickte, hat Seltenheitswert. Denn es ist beschriftet. So sieht man, dass sich ein ganzes Dorf gegen die verhassten „Roten“ wendete. Krügling ist ein kleines Dorf in der Nähe von Feldkirchen-Westerham (Landkreis Rosenheim), das Bild zeigt, so ist es überliefert, die „weiße Garde“ nach der Rückkehr aus Kolbermoor, wo sie wohl an den Kämpfen gegen die dort stationierte Rote Armee beteiligt waren. „Weiße Garde“ heißt in diesem Fall wahrscheinlich: diejenigen Männer aus dem Ort, die ein Gewehr zu Hause hatten. Darunter war, wie man an der Mütze sieht, auch ein Student (liegend unten rechts). Kolbermoor war eine Arbeitersiedlung, die Revolution stieß dort auf viel Zuspruch. Dagegen sammelten sich in den umliegenden Gemeinden seit Ende April 1919 spontan gebildete Freikorps, zum Beispiel auch in Grafing und Aßling. Aus verschiedenen Richtungen rückte man, teils per Zug, nach Kolbermoor vor. Ein Freikorps aus Passau soll die Stadt sogar mit einem Panzerzug mit zwei Geschützen und schweren Maschinengewehren belagert haben. Der Vorsitzende des revolutionären Arbeiterrats, damals de facto Bürgermeister, Georg Schuhmann wurde erschossen, ein weiterer revolutionär gesinnter Arbeiter namens Alois Lahn erschlagen. Von all dem erzählt unser Bild nicht – ob die Männer dem kleinen Buben links im Bild davon berichtet haben?  dw

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