Eine Postkarte im Gezeitenwechsel: Vorne ein Denkmal für König Ludwig II., hinten ein mit „Volksstaat Bayern“ überstempelter König Ludwig III. Abgeschickt hat die Karte eine Unterabteilung des Freikorps Schwaben – am 5. Mai 1919 aus München. Da war die Räterepublik gerade niedergeschlagen worden. „Lieber Kamerad“, schreiben die Unterzeichner an den nicht näher bekannten Soldaten Michael Müller aus Sonthofen. „Wir sind gerade hier bei der Volkswehr. Werden aber bald wieder abschieben.“ Frankiert wurde die Postkarte allerdings mit einer Revolutionsbriefmarke – der Begriff „Volksstaat“ ist eine Schöpfung der Regierung von Kurt Eisner, die ihn zusammen mit der (bald gebräuchlicheren) Vokabel „Freistaat“ in mehreren Verlautbarungen verwendete.
Der Jenaer Historiker Immanuel Voigt stöberte die Karte vor zwei Jahren zufällig auf einem Flohmarkt in Immenstadt im Allgäu auf und stellte sie uns zur Verfügung. Für zwei Euro wechselte sie damals den Besitzer. „Ich habe die Karte nur wegen der Marke mitgenommen“, erinnert er sich.
Die Geschichte mit dem Denkmal auf der Vorderseite kannte er nicht. Als die Bildpostkarte entstand, war das Denkmal (errichtet 1910) erst wenige Jahre alt. 1969 folgte der Abriss. Der Wirt des Hotels „Deutsche Eiche“ in München, Dietmar Holzapfel, hatte vor Jahren die Idee, das Denkmal wiederaufzubauen. Denn die Steine gibt es noch – sie sind in einem städtischen Lager. Der Kopf des Ludwig-Denkmals ist in der Oper aufgestellt. Als Holzapfel vor Jahren die Idee mit dem Denkmal erstmals vorstellte, scheiterte er – der Wiederaufbau wäre nach den heutigen statischen Vorschriften nicht möglich. Jetzt hat er einen neuen Anlauf unternommen. Wer weiß, vielleicht kann man ein Foto wie auf dieser Postkarte bald wieder selbst knipsen. dw