Moosburg – Nach den lebensgefährlichen Messerstichen auf einen somalischen Asylbewerber in Moosburg (Kreis Freising) hat die Polizei nun einen Tatverdächtigen festgenommen. Es handelt sich um einen 22-Jährigen aus Eritrea. Er ist ebenfalls Asylbewerber, lebt seit 2014 in Deutschland und ist bereits polizeibekannt.
Den entscheidenden Hinweis hatte die Polizei vom Freisinger Landratsamt bekommen. Der Behörde war ein Mann bekannt, auf den die Beschreibung der Kripo passte. Der 22-Jährige lebt in einer Freisinger Asylunterkunft. Am Mittwochabend rückten die Ermittler dort an und konnten ihn festnehmen. Der Mann ist der Polizei wegen mehrerer Delikte bereits bekannt – die Bandbreite reicht von Ladendiebstahl über Sachbeschädigung bei Randalen in der Unterkunft bis hin zu gefährlicher Körperverletzung. „Sogar einen Polizisten hat er bereits tätlich angegriffen“, berichtet Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord. Er sagt aber auch, dass keine der bisherigen Taten einen Haftgrund ergeben hätte.
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird informiert, sobald ein Flüchtling im laufenden Asylverfahren straffällig wird. „Diese Asylanträge werden dann mit Priorität behandelt“, erklärt eine BAMF-Sprecherin. Warum das Asylverfahren des 22-Jährigen seit fast vier Jahren laufe, konnte sie nicht erklären. „Das könnte verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel, wenn es ein komplexer Fall ist und uns wichtige Informationen fehlen. Oder wenn der Mann gegen unsere Entscheidung geklagt hat – dann liegt die Akte beim Verwaltungsgericht, wo sich aktuell viele Asylverfahren stauen.“
Flüchtlinge aus Eritrea gehören grundsätzlich zu den Asylbewerbern mit guten Bleibeperspektiven in Deutschland. 2017 wurden 81,1 Prozent der Asylanträge von Menschen aus Eritrea positiv entschieden, teilte das Innenministerium mit. Zu dem konkreten Fall kann auch das Ministerium nichts sagen. Ob der Mann im Falle einer Verurteilung die Haftstrafe in Deutschland verbüßen werde, sei eine Entscheidung der Strafvollstreckungsbehörden, teilte ein Sprecher gestern mit.
Der 22-jährige Tatverdächtige sitzt nun in Untersuchungshaft. Er hatte nach seiner Festnahme widersprüchliche Angaben gemacht, ein Geständnis hat er bisher aber nicht abgelegt. Obwohl der Tatort genau abgesucht wurde, fehlt von der Tatwaffe jede Spur. Auch das Motiv ist nach wie vor unklar. Der 18-jährige Asylbewerber aus Somalia schwebt inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr. Manuel Eser Katrin Woitsch