Landsberied/München – Während die Skigebiete in den bayerischen Alpen noch ein sonniges Geschäftswochenende mitnehmen, ist bei Dieter Schlederer, 79 Jahre alt, schon Schluss. Endgültig. Über 40 Jahre lang hat er den Skilift am Filzberg betrieben. Der liegt nicht in den Alpen, sondern bei Landsberied im eher flachen Landkreis Fürstenfeldbruck. Der „Barbara-Lift“, den Schlederer nach seiner Tochter benannt hat, schleppt die Skifahrer zwar nur gut 20 Höhenmeter den Hügel hinauf, aber sein Stammpublikum hält zu ihm. „Aus der Gegend haben so gut wie alle bei mir das Skifahren gelernt“, sagt Schlederer und lacht. Weil er ihnen gerne mal etwas Süßes zusteckt, nennen ihn die Kinder „Gummibärli-Opa“.
Nun aber ist das Liftseil aufgewickelt, das Kassenhäuschen versperrt. Im Brucker Land war die Skisaison Anfang März vorbei. Und es war Schlederers letzte. Die Hüfte und das Kreuz machen nicht mehr mit. „Irgendwann muss man vernünftig werden und aufhören“, sagt er. An guten Tagen rutschten bis zu 300 Leute bei ihm den Buckel runter, schätzt er. 50 Cent pro Fahrt, und man spart sich zwei Stunden im Auto – das spricht für den Mini-Lift vor der Haustür.
Der eine oder andere Skifahrer, auch aus dem Brucker Land, hat es aber offenbar trotzdem in die Berge geschafft. Denn dort geht mit diesem Wochenende eine Skisaison zu Ende, die so gut lief, wie es seit Jahren nicht der Fall war. „Vom ersten bis zum letzten Skitag hatten wir in diesem Winter konstant gute Bedingungen und Winterfeeling über die ganze Saison hinweg – und das vor allem zu den Spitzenzeiten an Weihnachten, Fasching und Ostern“, sagt Matthias Stauch von der Zugspitz-Bahn. Die neue Seilbahn mit den bodentief verglasten Fenstern habe sich als Publikumsmagnet erwiesen. 100 000 Menschen, nicht nur Skifahrer, beförderte sie in den ersten 100 Betriebstagen auf Deutschlands höchsten Gipfel. Dort läuft der Skibetrieb sogar noch bis zum 1. Mai.
Für die Wintersportler konnten viele Lifte schon Anfang Dezember starten. Begünstigt durch die Kälte habe zudem hervorragend beschneit werden können, sodass ideale Bedingungen auf den Pisten herrschten, teilte der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte mit. Dazu kam in der ersten Weihnachtsferienwoche traumhaft sonniges Wetter. In einigen Gebieten kamen die Lifte dadurch ans Kapazitätslimit.
„Der Skiwinter war heuer so, wie wir ihn eigentlich brauchen“, sagt auch Peter Lorenz, Sprecher der Brauneck Bergbahn Lenggries, der Alpenbahnen Spitzingsee und der Wallbergbahn. „Gerade der Dezember war ein toller Monat im Vergleich zum Vorjahr, als wir erst spät anfangen konnten. Und in den Weihnachtsferien war schönes Wetter.“
122 Skitage habe es am Brauneck gegeben, 127 am Spitzingsee, sagte Lorenz. Das war mehr als in den meisten Vorjahren, als die Zahl der Tage oft unter die Hunderter-Marke sank, die als rentabler Betrieb gilt. Viele Tagesskifahrer der Region München zogen das heimische Gebiet der österreichischen Konkurrenz vor.
Davon profitierte auch das Sudelfeld, das in Beschneiungsanlagen und einen neuen Achter-Sessellift investiert hat. „Damit haben wir viele neue Gäste gewonnen, sagt Geschäftsführer Egid Stadler. Inzwischen werde es zwar am Nachmittag „ein bisserl batzig“, dafür lasse sich am Wochenende die Frühlingssonne vorzüglich auf der Hütte genießen. 125 Skitage verzeichnet das Sudfelfeld für diese Saison. „Es ist gut, wenn es jetzt gar ist“, sagt Stadler.
Das denkt sich wohl auch Dieter Schlederer vom Barbara-Lift, der nun die Füße hochlegen kann. Seine Stammkunden im Alter von 4 bis 85 Jahren werden ihn vermissen. Doch für den kleinen Kult-Lift am Filzberg könnte es in der nächsten Saison weitergehen: Einige Kaufinteressenten gibt es, verrät Schlederer. Trotz aller Superlative in den Alpen scheint auch das Kleinformat im Flachland gefragt zu sein.