Streit um Kommunion

„Machtkämpfe auf dem Rücken der Menschen“

von Redaktion

Von Claudia Möllers

München – Die einen sprechen von Machtkämpfen innerhalb der katholischen Kirche, die anderen befürchten eine Beschädigung des ökumenischen Klimas in Deutschland. Die Wellen schlagen weiter hoch nach dem Bekanntwerden des Briefes, den sieben Bischöfe ohne Abstimmung mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Münchner Kardinal Reinhard Marx, nach Rom geschickt hatten. Das Ziel: einen Mehrheitsbeschluss der Bischofskonferenz kirchenrechtlich prüfen zu lassen. Wie berichtet, hatten fünf bayerische Bischöfe das Schreiben, das der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki federführend verfasst hatte, unterzeichnet. „Diese Bischöfe werden nicht nachgeben“, ist der Münsteraner Kirchenrechtler Professor Thomas Söding überzeugt. Zu erwarten sei, dass in den Bistümern Bamberg, Augsburg, Passau, Regensburg, Eichstätt, Köln und Görlitz auch künftig keine evangelischen Christen zur Eucharistie zugelassen werden. „Auf dem Rücken der Menschen werden hier Machtkämpfe innerhalb der Bischofskonferenz ausgetragen“, kritisierte er gegenüber dpa.

Professor Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum München und Freising, erklärte, die Bischofskonferenz habe für konfessionsverbindende Ehen eine vernünftige pastorale Lösung im Einzelfall vorgeschlagen. „Das ist, so weit ich sehe, auch ein theologisch gangbarer Weg, der die Lebenswirklichkeit der Menschen ernst nimmt.“ Natürlich könne man das theologisch auch anders sehen – und offenbar tue das eine Minderheit der Bischöfe. „Das Vorgehen mit diesem unabgestimmten Brief halte ich aber in der Tat für befremdlich. Für die Ökumene und die Außenwirkung in einer zunehmend kirchenkritischen Gesellschaft ist das sicher nicht hilfreich“, sagte er unserer Zeitung. Aber er wolle das jetzt auch nicht zu hoch hängen. Es sei legitim, über Kompetenzen der Bischofskonferenzen nachzudenken. „Und wenn es in diesen konkreten Fragen offensichtlich noch Gesprächsbedarf gibt, dann muss man sich halt noch mal zusammensetzen. Der Katholikentag in Münster wäre eine gute Gelegenheit, schließlich lautet das Motto ,Suche Frieden’.“ Tremmel ist Kardinal Marx dankbar für dessen Einsatz für die Ökumene im vergangenen Jahr des Luther-Gedenkens. „Da ist er ganz auf der Linie von Papst Franziskus. Aber das ist ein mühsames Geschäft“, fügte der Sozialethiker hinzu.

Kardinal Marx schweigt nun zu dem Vorgehen seiner Amtsbrüder, nachdem er sein Antwortschreiben auf den Brief der sieben Kritiker veröffentlicht hat. Dafür bricht der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Professor Thomas Sternberg, eine Lanze für die von Marx angekündigte Handreichung zur Kommunion. Die Bischofskonferenz habe einen „sehr behutsamen Beschluss gefasst, mit großer Mehrheit“. Zudem sei es in vielen Gemeinden bereits pastorale Praxis, dass evangelische Partner, die die katholische Bedeutung der Eucharistie anerkennen, zur Kommunion zugelassen würden. Im Streit gehe es wohl eher um die Frage des Charakters der Deutschen Bischofskonferenz. Er hoffe nun, dass die theologische Auffassung durch Rom „unmissverständlich klargestellt wird“.

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