Kreuth – Seine Ideen kommen Franz Zehendmaier aus Kreuth (Kreis Miesbach) nicht am Reißbrett oder am Computer – sondern im Gespräch mit seinen Kunden. Der 68-Jährige besitzt ein Radsportgeschäft mit angeschlossener Radlwerkstatt – und hört immer ganz genau zu, wenn zum Beispiel ältere, sportambitionierte Damen Räder bei ihm ausleihen wollten, obwohl sie Jahrzehnte nicht mehr gefahren waren. Vorsichtshalber hat er den 80- oder 90-jährigen Kunden immer erst einen Roller ausgeliehen. Jenen Rosi-Roller, den er sich zum Eigengebrauch gebastelt hatte, um damit nach Wanderungen bequem wieder vom Berg runter zu kommen.
„Er funktioniert vom Prinzip her wie ein Kinderlaufrad“, erklärt Zehendmaier. Der Roller hat einen Sattel, der so angebracht ist, dass man mit beiden Füßen auf den Boden kommt, die Hände sind am Lenker. „Etwaige Gleichgewichtsprobleme sind damit schnell in den Griff zu bekommen, so dass Senioren bald wieder aufs normale Radl umsteigen konnten“, berichtet der Tüftler.
Das begeisterte auch Leute, die sich sonst nie auf ein Zweirad getraut hätten – etwa Menschen mit Amputationen oder mit Übergewicht, die mit dem Sportgerät sogar abnahmen. Mit zahlreichen Erfolgsgeschichten im Gepäck fuhr Zehendmaier auf Reha- und Orthopädiemessen. 2009 baute er seinen ersten Elektroroller, ein Jahr später erhielt er dafür auf der Handwerksmesse in München den Bundesinnovationspreis. „Das war quasi die Pedelec-Antwort für Senioren und Menschen mit Behinderung“, sagt Zehendmaier lachend.
So hemdsärmelig wie er an die Entwicklung seiner Roller rangeht und einfach macht und probiert, bis es perfekt hinhaut, so hemdsärmelig betrieb er bisher auch sein Marketing. Einige Jahre entstanden so vor allem auf Kunden angepasste Sonderanfertigungen. Wie etwa der pinke Kinderroller mit auf die linke Lenkerseite umgebauter Bremse für eine junge Dachauerin, die rechtsseitig spastisch gelähmt ist, aber dennoch die 1,5 Kilometer zu ihrer Grundschule selbstständig zurücklegen musste. Oder das Modell mit dem extrahohen Lenker für einen Innsbrucker mit Contergan-Erkrankung. „Meine Rosi-Roller sind sowohl Sportgerät für Gesunde, als auch Trainings- und Therapiegerät für Personen mit körperlichen Einschränkungen“, sagt Zehendmaier.
Dann kamen – zumeist von rüstigen, aktiven Senioren, die bereits eine „Rosi“ besaßen – die Anfragen nach einem Gefährt, das man auch zu zweit fahren kann. Des Tüftlers Ehrgeiz war geweckt. Er entwickelte ein dreirädriges, elektrisches Fahrzeug: wegen der Kontrolle zwei Räder vorne, eines hinten. Und inklusive eines einzigartig innovativen Neigesystems, durch das man schnell fahren und sich in die Kurven legen kann. „Auch zu zweit“, wie der Erfinder stolz betont. Denn das „Zukunfts-Elektromobil“ soll es mit Lastenkorb oder Sitz geben. Geplant ist überdies ein zum Solardach hochgezogenes Frontfenster, mit dem sich das ZE-Mobil selbst aufladen kann.
Die neuste Erfindung aus dem Hause Zehendmaier wird erstmals als Funktionsmuster auf Deutschlands größter 50plus-Messe, „Die 66“ am Wochenende in München präsentiert. Alle seine Fahrzeuge können dort Probe gefahren werden. Für seine „Rosis“ sucht Zehendmaier Käufer, für sein ZE-Mobil Investoren. Denn nach der TÜV-Abnahme will er damit in Produktion gehen. Und die soll passend zu den Akkus und dem Motor aus deutscher Hand komplett in Deutschland stattfinden.