Schon wahr, die Tiroler Blockabfertigung ist aus bayerischer Sicht ein Ärgernis. Weil Tirol von einer Lkw-Verkehrslawine heimgesucht wird, lässt das Land Lkw nach Feiertagen nur „dosiert“ über die Grenze der Inntalautobahn. Autofahrer auf der A8 und der A93 können sich nun regelmäßig auf Staus gefasst machen. Noch 25 Mal im Jahr soll das so sein. Ebenso routinemäßig wie die Blockabfertigung kommt die Kritik an dem Tiroler „Alleingang“, mal von CSU-Europa- oder -Lokalpolitikern, kürzlich nun von der neuen bayerischen Verkehrsministerin Ilse Aigner. Ihre Klage über die Tiroler Schikanen ist freilich auch ein wenig wohlfeil. Denn Bayern kann keine konstruktiven, kurzfristig wirkenden Gegenvorschläge bieten.
Zwar verspricht die Ministerin, „so schnell wie möglich“ eine Verladestation der „Rollenden Landstraße“ – der Schienentransport ganzer Lastwagen also – zu reaktivieren. Doch ein konkretes Datum nennt sie nicht. Und nun hat die „GroKo“ (mit einem Verkehrsminister der CSU!) auch noch die versprochene Trassenpreissenkung für den Güterverkehr auf 2019 verschoben. Wie da die Güterbahnen Fahrt aufnehmen sollen, bleibt ein Rätsel. Auf die Hauptforderung Tirols, im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet eine höhere Lkw-Korridormaut einzuführen, ist Bayern zudem bisher überhaupt nicht eingegangen. Dabei ist die Grundidee so verkehrt nicht: Warum sollte man die Lkw-Maut streckenbezogen und gestaffelt nicht auch zur Lenkung des Verkehrs einsetzen, statt sie nur als Einnahmequelle zu betrachten? Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass die niedrigen österreichischen Diesel-Preise eine Sogwirkung auf Lkw entfalten – auch daher rührt ein Teil der Verkehrslawine, die vielleicht sonst über die Schweiz fahren würde.
Bayern ist ein Autoland, hat Markus Söder in der Regierungserklärung mit stolzgeschwellter Brust verkündet. Das sagt eigentlich alles. Bayern muss (auch) Bahnland werden. Eigentlich sollte das Chefsache sein.