München – Sie sind überall. Sie kleben an Autos, Fahrradsatteln und Fensterscheiben. Lässt man zuhause das Fenster auf, hinterlassen sie auf Tischen und Stühlen sandigen Staub. Auf Seen und Flüsse legen sie ganze Teppiche, sodass man denkt, hier hat sich ein Chemieunfall ereignet. Pollen.
Es ist eine Pollenplage, die momentan über Bayern hinwegfegt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Wetter im April hat dafür gesorgt, das derzeit so viel Blütenstaub in Bayern umherschwirrt wie ein Sandsturm in der Sahara: warm, sonnig, wenig Regen, leichter Wind. „Ideale Flugbedingungen für Pollen“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der Deutschen Presse-Agentur. Zudem habe der kalte Jahresstart die Pollen ausgebremst, ehe sie zu Beginn der überdurchschnittlich warmen Frühlingstemperaturen alle auf einmal „explodiert“ seien. Mehrere Baumarten blühen gleichzeitig und besonders stark wie die Tanne, Kiefer oder Buche. Laut dem DWD ist der Pollenflug der Fichte heuer besonders heftig. Auch für die Birke hat der Deutsche Polleninformationsdienst im April in Bayern Spitzenwerte gemessen.
Experten sprechen von einem Mastjahr. Das Naturphänomen wiederholt sich alle drei bis sieben Jahre. Während die Bäume in den meisten Jahren nur wenige Samen produzieren und sich auf das Holzwachstum konzentrieren, ist es in den Mastjahren genau umgekehrt. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren traten Mastjahre gehäuft auf. Ob das etwas mit dem Klimawandel zu tun hat, ist bislang unklar.
Für alle Allergiker sind Mastjahre freilich die Hölle. Die Nase läuft, die Augen jucken. Schwacher Trost: Die Fichtenpollen sind für sie unproblematisch. Problematisch dagegen sind die Gräser. Und die versprühen ihre Samen erst noch. Künftig sollen sich Allergiker in Bayern besser auf den Pollenflug einstellen können. Sie sollen entsprechende Daten im Internet aktuell abrufen können. Die ersten fünf von acht geplanten elektronischen Messstationen im Freistaat sollen noch im Laufe dieses Jahres eingerichtet werden, berichtete das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) der Deutschen Presse-Agentur. Endgültig zur Verfügung stehe das elektronische Polleninformationsnetzwerk aber erst im Jahr 2019.
Den Pollengeschädigten bleibt derzeit nur die Hoffnung auf das Mitleid von Petrus, dem Wettergott. Wann die Belastung vorbei sei, hänge vom Wetter ab, so die Sprecherin vom Deutschen Wetterdienst. Die Niederschlagswerte würden dabei eine besonders wichtige Rolle spielen. „Regen wäscht die Luft wieder rein.“
Gleichwohl dürften sich Hobbyfotografen freuen über das Mastjahr. Schließlich sorgt es vielerorts für Naturspektakel. Über Bayerns Wäldern liegt gerade gelber Nebel. Viel Blütenstaub hat sich auch auf dem Starnberger See niedergelassen. Von oben sieht es aus, als würde ein Korallenriff das Gewässer durchziehen.