München – Alexander Bassarini ist seit seiner Kindheit körperlich behindert. Er sitzt im Rollstuhl, braucht schon für kleine Handgriffe Unterstützung. Aber er ist ehrgeizig, hat sein Ingenieurdiplom geschafft – und danach unzählige Bewerbungen geschrieben. „Es ist nicht mal zu einem Vorstellungsgespräch gekommen“, berichtet er. Geschweige denn zu einem Praktikum. Denn er bräuchte eine Assistenz. Und einen Menschen mit Behinderung einzustellen, bedeutet für die Betriebe viel Bürokratie. Besonders kleine Unternehmen trauen sich das nicht zu. Für Menschen wie Alexander Bassarini bedeutet das die Abhängigkeit von staatlichen Hilfen. Er gibt einmal die Woche Nachhilfe – zum Leben reicht das nicht.
Geschichten wie seine sind in Bayern keine Ausnahme. 90 Prozent der Menschen mit Behinderung sind durch eine Erkrankung oder einen Unfall in diese Situation geraten. „Normalerweise müsste der Sozialdienst der Klinik Betroffene bei den ersten Schritten ins neue Leben mit Behinderung begleiten“, betont Wolfgang Obermair, der stellvertretende Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes. Doch das funktioniere oft nicht gut – auch deshalb, weil die Sozialdienste der Krankenhäuser nicht die nötige Kapazität haben. „Eine enge Vernetzung zum Beispiel mit Diensten der Offenen Behindertenhilfe oder ähnlichen Beratungsangeboten wäre dringend notwendig“, fordert er. Denn das Armutsrisiko sei für Menschen, die plötzlich mit Behinderung leben müssen, deutlich größer als bei Menschen, die von Geburt an behindert sind.
Das BRK geht mit einer klaren Forderung in die bayerische Armutskonferenz, die am 11. Juni in München stattfindet. „Wir brauchen für Menschen mit einer neu erworbenen Behinderung für die Übergangszeit, bis die Eingliederungshilfe greift, eine klare Regelung zur Versorgung und Begleitung“, betont Obermair. Auch Diakonie, AWO, Caritas und Paritätischer Wohlfahrtsverband haben sich Schwerpunkte rund ums Thema Armut herausgegriffen und werden bis zur Konferenz Forderungen formulieren.
Alexander Bassarini ist froh, dass seine Probleme im Alltag endlich einmal thematisiert werden. Auch wenn es um die Themen Wohnen und Bildung geht, würde er sich mehr Hilfen wünschen. Vor allem aber müsse die Arbeitswelt Menschen mit Behinderung mehr zutrauen. „Früher war mein Vorbild Stephen Hawking“, sagt er. Inzwischen verliert er jedoch immer mehr den Glauben daran, dass es für ihn auf dem Arbeitsmarkt eine Chance gibt.