Kontroverse

Das Kreuz lässt keine Ruhe

von Redaktion

München/Brüssel – In der Debatte um den bayerischen Kreuzerlass beziehen weitere Kirchenvertreter klare Positionen. So begrüßten gestern die Bischöfe von Regensburg in einer ökumenischen Stellungnahme die Präsenz des Kreuzes im öffentlichen Raum, gerade auch dort, wo politische oder administrative Verantwortung für das Gemeinwesen wahrgenommen werde. Der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler ordnete sich in die Reihe der Gegner der Neuregelung ein. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wollte dagegen nicht in die Diskussion einsteigen: „Ich werde zu Dingen, die im Zusammenhang stehen mit der Arbeit meines Nachfolgers, nichts sagen“, sagte der Ex-Ministerpräsident von Bayern in Berlin.

Der katholische Bischof Rudolf Voderholzer und der evangelisch-lutherische Regionalbischof Hans-Martin Weiss (beide Regensburg) schränkten in der gemeinsamen Positionierung ihre Kreuz-Zustimmung ein: „Dass es mit dem Anbringen von Kreuzen alleine nicht getan ist, wird niemand bestreiten.“ Es sei aber auch nicht richtig, „dieser symbolischen Selbstvergewisserung der eigenen Grundlagen nur unlautere Motive zu unterstellen“, etwa die Instrumentalisierung zu Wahlkampfzwecken. „Wer sich auf das Kreuz beruft und unter das Kreuz stellt, wird sich auch an seinem Anspruch messen lassen“, heißt es in dem Text. Jedem Politiker gebühre Dank für das öffentliche Bekenntnis zum „vorpolitischen Fundament der staatsbildenden Grundwerte“.

Pfarrer Schießler wünschte sich, dass die aktuell geführte Debatte eher stattgefunden hätte. „Weil wir jetzt genau das haben, was viele mahnend anklagen, nämlich die Spaltung“, sagte er. Schießler unterstrich zugleich, dass er sich über jeden Raum freue, in dem ein Kreuz hänge. Ihn störe nur, wie nun damit umgegangen werde. Besser wäre es gewesen, vorher mit Christen, Muslimen, Angehörigen anderer Religionen und mit Atheisten, die alle in diesem Land lebten, zu reden.

Vertreter der CSA Arbeitnehmer Union, Kreisverband Freising, nannten die Kritik von Kardinal Reinhard Marx an Söders Kreuzbeschluss in der Wortwahl „unangemessen und falsch“. Der Kardinal hatte dem Ministerpräsidenten vorgeworfen, „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ ausgelöst zu haben. Wenn ihm so viel an einem säkularen Verhältnis zwischen Kirche und Staat liege, dürfe er auch keine Einweihungen und Segnungen öffentlicher Gebäude, Anlagen und Fahrzeuge durchführen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht derweil Rückhalt für sich in der Bevölkerung. In Bayern stehe eine klare Mehrheit hinter ihm, auch wenn das Thema in Deutschland und in den Medien anders diskutiert werde, sagte er in Brüssel. Der aktuelle Bayerntrend des BR-Politikmagazins „Kontrovers“ zeige, dass die Mehrheit der Bayern sehr wohl diese identitätsstiftende Wirkung des Kreuzes sehe.

Studenten der Universität Regensburg haben eine Online-Petition gegen die Kreuz-Pflicht gestartet. 45 234 hatten gestern Abend bereits unterschrieben. Darin fordern die Unterzeichner die Staatsregierung auf, die Vorschrift zurückzuziehen. Die Universitäten sollten weltoffen und säkular bleiben. Es gebe keinen Grund, so Studentensprecher Tarek Carls, „eine Religion in besonderer Weise zu bevorzugen“.   kna/cm

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