Schlittenhund flüchtet wegen Gewitter

Angst um Popeye

von Redaktion

Von Josef Ametsbichler

Warngau – Als ihm der Schreck in die Glieder fuhr, tat Popeye das, was er am besten kann: rennen, so weit die Pfoten tragen. Zurück blieb Julia Obermüller, das Halsband, das sie ihrem Schützling gerade umlegen wollte, in der Hand. Der plötzliche Donnerschlag eines Gewitters hatte den Rüden an der Haustür seines Zuhauses, einem Bauernhof in Warngau bei Miesbach, so in Panik versetzt, dass er kein Halten mehr kannte. Er raste wie von Sinnen zur Hofeinfahrt hinaus, allen Rufen zum Trotz.

Für seine Besitzer Julia (35) und Leonhard (41) Obermüller ist Popeyes großes Talent nun ein großes Problem: Der Hound-Jagdhund-Mischling ist ein trainierter Schlittenhund, zwar seit einem Jahr im Ruhestand, doch mit seinen acht Jahren immer noch ein ausdauernder Sprinter. Unter anderem wurde er mit seiner Vorbesitzerin mehrfacher Deutscher Meister und Europa-Dritter im Hundeschlittenrennen.

Dass Popeye das Rennen nicht verlernt hat, bewies er zum Leidwesen Julia Obermüllers am Samstagnachmittag. „Ich bin ihm sofort mit dem Auto nach, habe ihn aber nicht mehr gesehen“, sagt sie. Nur eine halbe Stunde war der Hund auf der Flucht, als ihn eine Bekannte der Obermüllers nahe Holzkirchen über die Bundesstraße 318 laufen sah – noch immer im Vollsprint und fast 15 Kilometer von daheim entfernt.

Obermüller hat nun alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihren Hund wiederzubekommen. Sie hat die Polizei, Zeitungen und Radiosender kontaktiert, Tierheime durchtelefoniert, Internetaufrufe gestartet und den größten Teil der vergangenen Nächte vor der Haustür verbracht. Hundeleine, Ersatzkleidung und Bergschuhe liegen im startbereiten Auto. „Popeye gehört zur Familie“, sagt Obermüller. Obwohl das Tier erst seit einem guten Jahr auf dem Hof der Obermüllers lebt, kennt sie ihn von Geburt an, ist schon in Norwegen bei Rennen dabei gewesen. Nun bangt sie um ihn. „Ein Schlittenhund kann 100 Kilometer ohne Pause durchhalten“, sagt sie. Popeye ist zwar ohne Halsband ausgerissen, doch an der Nummer seines implantierten Transponders kann ihn beispielsweise ein Tierarzt eindeutig identifizieren. Außerdem fahnden die Obermüllers über das Haustier-Suchnetzwerk „Tasso“ nach dem Hund. „Je mehr Leute den Aufruf mitbekommen, desto besser“, lobt „Tasso“-Sprecherin Laura Simon die Bemühungen der Obermüllers. Es komme durchaus vor, dass entlaufene Hunde auch nach mehreren Wochen wieder auftauchen. „Es ist alles noch möglich“, sagt sie über den Fall Popeye.

Ein Hoffnungsschimmer. Und nicht der einzige: Auf einen Online-Kurzbericht unserer Zeitung hin hat sich eine Zeugin gemeldet, die Popeye am Bahnhof von Holzkirchen gesehen haben will. Obermüller will dort nun Suchplakate aufhängen und die Umgebung abklappern. „Was tut man nicht alles für so ein Tier“ schnauft sie, doch die mögliche Sichtung gibt ihr neue Energie. Vielleicht hat es Popeye, der Langstreckenläufer, gar nicht so weit nach Hause wie befürchtet.

Popeye gesichtet?

Das Haustier-Suchnetzwerk „Tasso“ nimmt unter 0 61 90/ 93 73 00 Anrufe rund um die Uhr entgegen. Popeyes Suchdienstnummer: S2316336.

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