Initiative des jagdverbandes

Fliegende Rehkitz-Retter

von Redaktion

von Aglaja Adam

Feldkirchen – Der Nebel hängt noch über den Wiesen, Morgentau glitzert auf dem Gras: Jetzt ist die Stunde der Kitzrettung. Der perfekte Zeitpunkt für den Einsatz einer Drohne. Mithilfe von Wärmebildkameras können die fliegenden Helfer die jungen Rehe aufstöbern. Je kälter es draußen noch ist, desto wirksamer ist die Methode.

Der Landesjagdverband Bayern (BJV) ist überzeugt, dass Drohnen Tierleben retten. Mit einem Agrarmaschinenhersteller aus Adelschlag bei Eichstätt hat der Verband eine Hightech-Lösung entwickeln lassen. „Die Drohnen funktionieren und der Zeitaufwand für die Landwirte ist überschaubar“, sagt Sprecherin Gertrud Helm.

Momentan sind wieder viele Rehkitze in Gefahr. Die Ricken bringen im Frühjahr ihre Jungtiere zur Welt und legen sie in den ersten Lebenstagen, solange sie noch nicht selber laufen können, im hohen Gras ab. „Ein ideales Versteck. Die Kitze sind sicher vor Füchsen“, sagt Helm. Einen Eigengeruch haben die Bambis noch nicht.

„Leider sind sie auch für die Landwirte nicht sichtbar.“ Die Bauern mähen derzeit ihre Wiesen. „Sie sitzen drei Meter hoch oben auf ihren riesigen Mähdreschern“, beschreibt Helm die Arbeit. „Sie haben keine Chance, Wildtiere im Feld zu sehen.“

Rund 90 000 Rehkitze werden bayernweit nach Schätzungen des Jagdverbandes jährlich bei der ersten Wiesenmahd grausam verstümmelt oder getötet. Dabei sind die Landwirte gesetzlich verpflichtet, vor dem Mähen nach Wildtieren und Brutvögeln zu suchen. Laut Tierschutzgesetz dürfen Wirbeltiere nicht grundlos getötet oder verletzt werden. „Wir appellieren an das Verantwortungsbewusstsein der Landwirte. Der Mähtod der Wildtiere darf nicht als Ernte-Kollateralschaden missverstanden werden“, mahnt Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes. Wer die Kadaver im Feld liegen lässt, kann angezeigt werden. Den Landwirten drohen Bußgelder. Zudem sollte den Landwirten selbst daran gelegen sein, keine Kadaver in der Mahd zu haben. „Gerät das tote Tier in die Silage und damit ins Futter, kann das zu Vergiftungen der Kühe führen“, sagt Helm.

Methoden zur Kitzrettung gibt es viele. „Kleinere Felder sollten die Landwirte absuchen“, sagt Helm. Auch der zuständige Jäger könne zu Hilfe gerufen werden. „Wer sein Feld von innen nach außen mäht, gibt erwachsenen Rehen eine Fluchtmöglichkeit“, sagt Helm. Bodenbrütenden Vögeln kann schon eine Schnitthöhe von 15 Zentimetern helfen. Auf dem Markt sind auch unterschiedliche mobile „Kitzretter“. Geräte, die mittels schrillen Warntönen oder grellen Blinklichtern die Tiere vergrämen sollen. „Richtig effektiv hat bisher nichts gegen den grausigen Mähtod geholfen“, sagt Helm.

In Zukunft setzt der Jagdverband auf Drohnen. Und auch tierliebe Landwirte und Tierschützer haben die Technik bereits entdeckt. Das Problem: Die Drohnen sind teuer. Das Kitzrettungssystem, das der Landesjagdverband mit auf den Markt gebracht hat, kostet 18 500 Euro. Viel Geld für einen Bauern allein. „Maschinenringe und Verbände könnten ein Gerät anschaffen und verleihen“, sagt Helm. Der Jagdverband hofft außerdem auf staatliche Fördermittel.

Von der Technik überzeugt ist Helm: „Es ist eine Software eingebaut, die GPS-Daten ans Handy schickt, so dass der Landwirt die Rehkitze schnell findet.“ Für zwei Hektar brauche die Drohne eine Viertelstunde. „Diese Zeit sollte jeder Bauer haben“, findet Helm.

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