Stellt euch vor, meine Entenfreundin Agnes ist neulich von einem Krebs in den Watschelfuß gezwickt worden – und damit nicht genug: Er fand nämlich, dass sich meine Freundin nicht so anstellen solle. Im Gegenteil: Sie solle sich sogar freuen. Er sei nämlich ein europäischer Flusskrebs – und diese Art sei selten geworden. Das war selbst Agnes zu viel. Dabei liebt meine Freundin eigentlich alles, was in der Natur kreucht und fleucht. „So ein Frechdachs ist mir lang nicht untergekommen“, quakte sie. „Aber vielleicht passiert das, wenn man zu einer Art gehört, die es so schwer hat.“ Schon vor mehr als hundert Jahren haben die europäischen Flusskrebse nur knapp überlebt: Damals hätte eine Krankheit, die Krebspest, ihre Art fast ausgerottet. Einige haben zum Glück überlebt. Doch die haben es schwer. „Dabei brauchen wir nicht viel: sauberes Wasser mit vielen Beutetieren und Stellen, die als Unterschlupf taugen“, blubberte der Krebs. „Also Steine, Wasserpflanzen oder altes Holz.“ Doch das gebe es immer seltener. „Und dann sind da noch die amerikanischen Flusskrebse, die uns um Scherenlängen voraus sind.“ Die seien nicht nur größer. Sie übertragen zudem die Krebspest. Ihnen selbst kann diese Krankheit aber nichts anhaben. Agnes war jedenfalls schon wieder versöhnt. „Ich werde dem armen Kerl sein Gezwicke nicht übel nehmen!“, quakte sie. „Wo er es doch so schwer hat.“ Eure Paula