Bilanz der Unwetter

Oberbayern unter Wasser

von Redaktion

München – Die heftigen Unwetter am Dienstagabend haben nicht nur hohe Sachschäden in ganz Bayern verursacht, sondern auch mindestens ein Menschenleben gefordert. Wie berichtet, wurde ein Mann in Garmisch-Partenkirchen von der Partnach mitgerissen. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Am Tag nach dem Unglück ist klar, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen 52-jährigen Mann aus Garmisch-Partenkirchen handelt. Augenzeugen zufolge hatte er am späten Dienstagnachmittag versucht, auf einer überfluteten Straße zu fahren. Als nichts mehr vorwärts ging, stieg er aus dem Auto – und wurde von den Wassermassen fortgerissen. Erst gegen 20 Uhr wurde er leblos im Wasser gefunden.

Während die Helfer nach dem Vermissten suchten, waren die Schüler eines Sport-Leistungskurses aus Rheinland-Pfalz zum Wandern in der Partnachklamm unterwegs. „Es hatte schon geregnet, als wir reingegangen sind“, erklärt Lehrer Markus Schroer, „aber am Kassenhäuschen hat niemand etwas davon gesagt, dass es gefährlich werden könnte. Und vor uns sind auch noch einige Wanderer hineingegangen.“

Als sie die Strecke in der Klamm etwa zu zwei Dritteln hinter sich hatten, stieg der Wasserpegel plötzlich schlagartig an. „Es war wie eine große, braune Welle.“ Schroer stand sofort bis zu den Knien im Wasser, einer seiner Schüler bis zum Brustkorb. Während seine Kollegin, die noch weiter unten war, mit einem Teil der Gruppe sofort den Rückweg antrat, suchte Schroer die Flucht nach vorne, um zu seinen verbleibenden Schülern aufzuschließen. Über das Graseck konnten er und seine übrigen Schüler schließlich die Klamm verlassen. Sie wurden im Gasthof der Partnachklamm aufgenommen. „Dort haben wir Essen und Decken bekommen, bis uns ein Bus der Feuerwehr zurück zur Jugendherberge bringen konnte.“ Seine Schüler hätten extrem cool reagiert, sagt Schroer. Sie kamen mit dem Schrecken davon. Und gönnten sich keine Verschnaufpause – am Tag drauf ging es gleich weiter auf die Zugspitze. Die Partnachklamm muss allerdings auf unabsehbare Zeit gesperrt bleiben. Sie ist mit Schwemmholz verstopft, zudem ist der gesamte Eingangsbereich am Kassenhäuschen weggebrochen. Die Aufräumarbeiten werden mehrere Wochen dauern.

Eine zweite Vermisstensuche im Landkreis Starnberg dauerte auch am Tag nach den schweren Gewittern weiter an. Eine Urlauberin hatte am Dienstagnachmittag ein herrenloses Fischerboot auf dem Pilsensee bemerkt, auf dem zuvor noch ein Angler unterwegs gewesen sei. Sie wählte den Notruf. Persönliche Gegenstände, die im Boot des Vermissten gefunden wurden, deuten daraufhin, dass es sich bei dem Vermissten um einen 67-jährigen Mann aus Seefeld handelt. Die Suche blieb bis gestern Abend ohne Erfolg.

Unterdessen kämpfen auch viele andere Regionen mit den Folgen der schweren Unwetter. Besonders hart traf es den Plieninger Ortsteil Gelting im Landkreis Ebersberg. Die Siedlung liegt direkt an einer Endmoräne – bei starken Regenfällen fließen deswegen immer wieder große Wassermassen über die Feldern zu den Wohnhäusern. „Das Wasser ist hinuntergelaufen wie in einem Trichter“, sagt Feuerwehrkommandant Hubert Bichler. „In den Kellern stand das Wasser zum Teil bis zu einem Meter hoch.“

Am Walchensee ist nach wie vor wegen eines Murenabgangs die Uferstraße zwischen Urfeld und Sachenbach gesperrt. Es kam zudem zu mehreren Unfällen bei Aquaplaning. Dabei wurden mehrere Menschen leicht verletzt. Auch in Niederbayern waren die Feuerwehren im Dauereinsatz. In Landshut evakuierte die Polizei mehrere Häuser wegen Überflutungsgefahr. Nach rund zwei Stunden gab es Entwarnung. Im Nationalpark Bayerischer Wald bleibt nach dem Unwetter wegen eines Schadens am Gehweg das Rothirschgehege bis Anfang kommender Woche für Besucher geschlossen.

Im Landkreis Freising hingegen blieben größere Schadensmeldungen aus. Das ist auf den ersten Blick durchaus erstaunlich, denn von Dienstagmorgen bis Mittwochmorgen wurden dort 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen – deutlich mehr als beispielsweise in Garmisch-Partenkirchen, wo im selben Zeitraum 44 Liter herunterkamen. Dass die Wassermassen sich dennoch nicht großflächig den Weg in die Keller der Bewohner suchten, lag laut Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst am besonders aufnahmefähigen Boden in der Region. dg/nah/hob/ahi/rm/ps/ao/lby

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