Studiengang an der Katholische Stiftungshochschule

Pflege im Trainingslabor

von Redaktion

von Katja Brenner

München – Ein Mann liegt in seinem Bett, sichtlich verwirrt und geschwächt, um ihn herum steht das Team eines Pflegedienstes: Lehrveranstaltung mit Professorin Dr. Anita Hausen. Heute steht im Rahmen des Lern-Moduls Geriatrische Rehabilitation Kommunikation mit Patienten und deren Angehörigen auf den Stundenplan. Denn der Mann im Bett ist nicht tatsächlich pflegebedürftig, er ist Patienten-Schauspieler. Seine Rolle: ein ältere Herr, der nach einem Schlaganfall und Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause gekommen ist.

Und seine mit der Situation überforderte Ehefrau ist auch nicht mit „Herrn Ahlers“, wie der fiktive Patient von allen Beteiligten genannt wird, verheiratet, sondern sie studiert wie das versammelte Pflege-Team an der Katholischen Stiftungsfachhochschule (KSH) in München den Bachelor-Studiengang Pflege dual. Die Hochschule möchte ihre Studierenden möglichst praxisnah ausbilden. Daher hat sie im alten Pfarrhaus von St. Elisabeth auf ihrem Hochschulcampus neue Simulationslabore eingerichtet. Vor kurzem haben sie den Betrieb aufgenommen.

Die Räumlichkeiten sind auf zwei Stockwerke verteilt. Unten gibt es Gruppen- und Besprechungsräume, oben zwei Zimmer zur Pflegesimulation. Das eine erinnert an ein häusliches Schlafzimmer, das andere an ein Krankenhauszimmer. Beide sind jeweils etwa 15 Quadratmeter groß, um die Bedingungen, unter denen geübt wird, so realistisch wie möglich zu gestalten. Durch die verschiedenen Umgebungen sollen die Studierenden auch die unterschiedlichen Versorgungsstrukturen in der Pflege kennenlernen.

Das Besondere an den Räumen: Sie sind mit Video-Kameras ausgestattet. Das, was sich in den Pflegezimmern oben abspielt, können die anderen Teilnehmer der Lehrveranstaltung ein Stockwerk tiefer am Bildschirm verfolgen. In einem zweiten Durchgang kommt die Gruppe, die soeben noch als Pflege-Team bei „Herrn Ahlers“ war, zurück in den Besprechungsraum, gemeinsam wird analysiert, was gut war und woran sie noch arbeiten müssen. „Oft erkennen die Studenten selbst, was nicht so gut lief“, sagt Anita Hausen. Die Professorin kennt die Pflege-Praxis, ursprünglich war sie selbst Krankenschwester.

Die Studiengänge sollen durch das Arbeiten in den Simulationslaboren – neben der wissenschaftlichen Ausbildung an der Fachhochschule – noch besser auf den Berufsalltag vorbereiten. In den Simulationslaboren können die Lernenden an einer Puppe üben, wie man Magensonde und Blasenkatheter legt oder wie man subkutan – unter die Haut – spritzt. „In diesem geschützten Rahmen können und dürfen sie auch Fehler machen“, erklärt Anita Hausen. Nicht alles lässt sich an einer Puppe üben. „Wenn die Kommunikation im Vordergrund steht, ist sie kein besonders geeigneter Gesprächspartner“, sagt Professorin Hausen mit einem Lächeln. Daher werden zu solchen Gelegenheiten Schauspieler eingeladen.

Auch die Studierenden müssen in verschiedene Rollen schlüpfen, sollen die Perspektive wechseln. An verschiedenen Aufgaben können sie den Pflege-Alltag üben, unter anderem auch den Umgang mit schwierigen oder dementen Patienten. Besonders wichtig: die abschließende Reflexion im geschützten Rahmen der Lerngruppe.

Das Pflege-Simulationslabor wird am morgigen Freitag mit einem Festakt mit Ehrengästen und Fachvorträgen offiziell eröffnet.

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