München – Entscheidend für gelingende Integration ist das Engagement der unzähligen ehrenamtlichen Helfer. Um sie zu unterstützen, gibt es an den Landratsämtern Integrationslotsen. Sie sind hauptamtliche Ansprechpartner für ehrenamtliche Helfer. „Es ist wichtig, dass unsere Ehrenamtler verlässliche Ansprechpartner haben“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gestern anlässlich der Auftaktveranstaltung des Projekts in München. Das Treffen sollte dazu dienen, dass sich Integrationslotsen aus ganz Bayern kennenlernen und über Landkreisgrenzen hinweg vernetzen.
In 74 Landkreisen und kreisfreien Städten gibt es bereits Integrationslotsen. Nach einem Modellversuch mit 15 Landkreisen im vergangenen Jahr wurde das Projekt Anfang diesen Jahres nun auf ganz Bayern ausgeweitet. In 22 Kreisen und Städten sind die Stellen jedoch noch nicht geschaffen oder nicht besetzt. „Eine Lücke, die wir schließen wollen“, wie Innenminister Herrmann sagte. Der Freistaat fördert das Projekt nach eigenen Angaben heuer mit 6,5 Millionen Euro.
„Das Thema Integration beschränkt sich nicht nur auf das Thema Flüchtlinge“, erklärte Herrmann weiter. Auch im Bereich der Arbeitsmigration sei noch eine Menge zu tun. Integration dürfe man auch nicht der Beliebigkeit überlassen. „In Bayern gelingt Integration auch deshalb, weil wir einen klaren Grundsatz leben: Fordern und fördern von Anfang an“, betonte der Innenminister und verwies auf das seiner Ansicht nach gelungene bayerische Integrationsgesetz. Jeder, der auf Dauer hier leben wolle, müsse sich integrieren. „Das kann nur gelingen, wenn jemand unsere Sprache spricht.“
Integrationslotsen sollen die Schnittstelle zwischen den Landratsämtern und ehrenamtlich engagierten Bürgern bilden. In der Praxis arbeiten sie bereits landkreisübergreifend, jedoch immer mit Blick auf den Bedarf im jeweils eigenen Gebiet. So erfragt zum Beispiel Anja Wosch, seit April Integrationslotsin des Landkreises Erding, wo der Schuh drückt und wo sie unterstützen kann. In einem weiteren Schritt organisiert sie entsprechende Veranstaltungen. Wie demnächst zum Thema Salafismus oder über Rückkehrhilfe.
Auch ihrem Kollegen Alexander Feldmann aus dem Nachbarlandkreis Ebersberg ist es wichtig zu erfahren, wo er wie unterstützen kann. Deshalb analysiert er regelmäßig die Problemfelder der Ehrenamtlichen. Mit einem Fragebogen, der ein Mal pro Jahr verschickt wird. Zudem organisiert der 31-Jährige zwei Mal jährlich das Dialogforum Asyl, an dem neben allen Verwaltungsakteuren des Landkreises auch Landrat Robert Niedergesäß (CSU) teilnimmt. Zudem organisiert er Schulungen und Kurse, zum Beispiel zum Thema Rechte und Pflichten von Mietern. Wöchentlich findet unter seiner Federführung eine offene Sprechstunde für Helfer statt, Feldmann leitet mehrere Arbeitskreise. Früher war Feldmann selbst ehrenamtlicher Helfer. Die hauptamtliche Stelle hat er aus Überzeugung angetreten: „Ohne das Ehrenamt ist Integration kaum möglich“, so sein Fazit.
Bei Irmgard Eichelmann, Integrationslotsin des Freisinger Landkreises, dreht sich ebenfalls alles um den Themenkomplex Beratung, Vernetzung und Fortbildung. Sie hat 23 Asyl-Helferkreise in ihrem Landkreis, für die sie monatlich einen Runden Tisch organisiert.
Über ihre Schnittstellenfunktion sagt sie: „Es geht um den Austausch auf vertrauensvoller Basis. Das geht nur, wenn man regelmäßig Kontakt hat.“