Verfahren gegen LAndsberger

„Lifeline“-Kapitän zwischen den Fronten

von Redaktion

Von Sebastian Schuch

Valletta/Landsberg – Claus-Peter Reisch aus Landsberg am Lech darf Malta vorerst nicht verlassen, muss aber auch nicht ins Gefängnis. Der Kapitän des Rettungsschiffes „Lifeline“ der Dresdener Nichtregierungsorganisation (NGO) Mission Lifeline bleibt durch Kaution auf freiem Fuß. Das entschied ein Gericht in der maltesischen Hauptstadt Valletta am gestrigen Montag. Verantworten muss sich der 57-Jährige nach der Rettung von 234 von Libyen gestarteten Flüchtlingen, weil die „Lifeline“ nicht ordnungsgemäß registriert sei, da das Schiff laut niederländischen Behörden nur im Register des Wassersportverbandes und nicht im Schiffsregister eingetragen sei. Zudem dürfe Reisch nur Schiffe in Küstengewässern innerhalb eines Bereichs von 30 Seemeilen steuern und er habe Anweisungen der italienischen Behörden ignoriert. Vorwürfe wegen Menschenschmuggels gibt es nicht.

Die „Lifeline“ weist die Vorwürfe von sich. Seit 2017 fahre das Schiff unter niederländischer Flagge und auch die Behörden wüssten davon, verkündete die Organisation über den Kurznachrichtendienst Twitter und zeigte ein Foto der Papiere. Auch an die Weisung der zuständigen italienischen Behörden habe sich die „Lifeline“ gehalten – mit einer Ausnahme. Die libysche Hauptstadt Tripolis sei wegen der missachteten Menschenrechte im Staat nicht angesteuert worden.

Die „Lifeline“ geht bei der Verteidigung in die Offensive und spricht von einer „Kriminalisierungskampagne“ gegen die Organisation und die Seerettung im Mittelmeer. Mittendrin: Claus-Peter Reisch aus Landsberg. „Die EU nimmt das Sterben aus politischen Gründen in Kauf“, sagte er in einer Erklärung. Die Politik versuche „mit aller Macht“ Seenotrettung zu verhindern. Seit Jahresbeginn sind im Mittelmeer mehr als tausend Menschen ertrunken.

Reisch, der eine Firma im Installations- und Sanitärbereich betreibt, hat seit 14 Jahren den Bootsführerschein und darf durch eine Fortbildung Sportboote – wie die „Lifeline“ – jeder Größe fahren. Seit Dezember 2016 engagiert er sich für die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer, die Fahrt mit der „Lifeline“ war sein insgesamt fünfter ehrenamtlicher Einsatz.

Das Gerichtsverfahren gegen den Landsberger zeigt: Der Umgang der Mittelmeerstaaten mit den NGOs wird immer rauer. Die „Lifeline“ war nach der „Aquarius“ bereits das zweite Rettungsschiff in nur zwei Wochen, das mehrere Tage auf See verharren musste, bevor es in einen Hafen einlaufen durfte, die „Seefuchs“ der Organisation Sea-Eye sieht sich denselben Vorwürfen ausgesetzt wie die „Lifeline“. Außerdem haben Italien und Malta bereits angekündigt, künftig keine Flüchtlinge von privaten Rettungsbooten mehr aufzunehmen. Neben der „Lifeline“ hält Malta ein weiteres Rettungsschiff im Hafen fest: Laut der Organisation Sea-Watch darf die „Sea-Watch 3“ den Hafen „ohne jegliche Rechtsgrundlage seitens der Behörden“ nicht verlassen.

Das Verfahren gegen Claus-Peter Reisch wird am Donnerstag fortgesetzt.

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