München – Es war im Kern eine Glaubensfrage, die gestern vor dem Münchner Verwaltungsgericht verhandelt wurde: Was muss Schule leisten – und wie misst man schulischen Erfolg? Für die alternative Sudbury-Schule Ammersee ist das auch eine Existenzfrage. Denn die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde für Privatschulen entzog ihr 2016 nach nur zwei Jahren Schulbetrieb die Genehmigung. Dagegen klagen die Vertreter der Schule.
Das demokratische Modell der Schule in Ludenhausen (Kreis Starnberg) beinhalte eine „alleinige Entscheidungshoheit der Schüler“, was und ob überhaupt gelernt werde. So seien die amtlichen bayerischen Lernziele nicht zu erfüllen, erklärten die Behördenvertreter in der Verhandlung und prognostizierten, Sudbury-Schüler liefen Gefahr, dass sie im späteren Leben, besonders im Berufsleben, unter „selektivem und lückenhaften Wissen und Können“ zu leiden hätten.
Tatsächlich gab es an der Schule keine Prüfungen, keine Noten, keine Zeugnisse. Stattdessen setzt das Sudbury-Modell auf „informelles Lernen“, das aus dem Eigenantrieb der Schüler statt im festen Klassenverband in losen Gruppen, aber auch allein stattfindet. Lernangebote statt Zwang – gerade das mache die Stärke der Schule aus, betonten die Vertreter der Schule.
Schüler, die mit großen Lücken oder frustriert von der Regelschule gekommen seien, „Schüler, die gar nicht mehr gelernt haben, sind bei uns aufgeblüht“, sagte Simone Kosog-Wiedemann aus dem Schulvorstand. Um den Lernfortschritt einzuschätzen, brauche es keine Prüfungen. „Wir kennen unsere Schüler“, ergänzte ihre Vorstands-Kollegin Monika Diop-Wernz.
Die Vorstände hatten mit dem Schulamtsdirektor Engelbert Schmid aus dem unterfränkischen Miltenberg und Gregor Lang-Wojtasik, Professor an der Pädagogischen Hochschule im baden-württembergischen Weingarten, zwei Experten als Verbündete gewonnen, die sich von dem Modell begeistert zeigten und betonten, die Entwicklungsmöglichkeiten der Sudbury-Schüler stünden nicht hinter jenen der Regelschule zurück.
Die Vertreter der Aufsichtsbehörde überzeugte das nicht, sie monierten, dass auch mangelnde Dokumentation von Lernfortschritten ein Grund für ihr Einschreiten gewesen sei. Die Vertreter der Schule beklagten, die Kommunikation mit der Behörde sei schleppend und widersprüchlich verlaufen. Ob das Modell eine Zukunft hat, muss nun das Gericht entscheiden. Ein Urteil soll diese oder nächste Woche fallen. ja