Diskussion über Spaziergänger-Foto

Wolfsverdacht im Werdenfelser Land

von Redaktion

von Josef Hornsteiner und DOminik Göttler

Krün – Normalerweise sorgen Fotos von einem Sonntags-Spaziergang nicht unbedingt für großes Aufsehen. Doch der Schnappschuss einer Spaziergängerin aus Krün vom Sonntag hat eine Diskussion im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ausgelöst. Auf dem Bild ist ein hundeartiges Tier zu sehen. Nur ein streunender Husky? Oder doch ein Wolf?

Auch im Landratsamt sind die Aufnahmen bereits gelandet. „Wir haben sie an das Landesamt für Umwelt weitergegeben“, sagt Sprecher Stephan Scharf. Die Experten sollen nun für Klarheit sorgen. Sie werten das Material aus und nehmen Proben vor Ort. Im Dezember 2017 wurden im Landkreis Rehe gerissen, damals wurden Speichelproben genommen. Möglicherweise lassen sie sich zuordnen.

Es ist schon eine Weile her, dass sich der Wolf in Oberbayern hat blicken lassen. Der letzte offizielle Nachweis des LfU ist auf April 2017 datiert. Damals wurden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen vier junge Schafe gerissen. Speichelspuren ergaben, dass der Übeltäter ein Wolf einer Population aus den Südwestalpen war.

Sollte sich der Wolfsverdacht im Landkreis Garmisch-Partenkirchen bestätigen, würden sämtliche landwirtschaftlichen Verbände informiert und zur Vorsicht um ihre Tiere gemahnt. Doch es gibt noch einige Zweifel. Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau hat sich die Fotos angesehen und glaubt darauf eher einen Hund zu erkennen. „Das Tier ist ungewöhnlich hell, vor allem die Vorderläufe.“ Auch die Ohren seien zu spitz. Allerdings sei die Qualität der Bilder nicht besonders gut und eine Aussage deshalb schwierig.

Immer wieder streifen Wölfe durch den Freistaat, sie kommen in der Regel von Populationen aus den Nachbarländern. Einige Tiere sind in Bayern aber bereits heimisch. So geht das Landesamt für Umwelt derzeit von standorttreuen Tieren in drei bayerischen Regionen aus: Im Nationalpark Bayerischer Wald, am Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz und im Veldensteiner Forst im Landkreis Bayreuth.

Politisch ist umstritten, wie mit den wachsenden Wolfspopulationen in Deutschland umgegangen werden soll. So forderte die Vereinigung Deutscher Schafzuchtverbände kürzlich ein bundesweit abgestimmtes Wolfsmanagement zum Schutz der Weidetiere. Bislang ist der Wolf streng geschützt und darf nur in Ausnahmefällen geschossen werden. Streit gibt es auch darüber, wer die Kosten für Präventionsmaßnahmen wie Herdenschutzhunde oder Schutzzäune übernehmen soll.

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